PERIPHERES NERVENSYSTEM

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Schorsch
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PERIPHERES NERVENSYSTEM

Beitragvon Schorsch » 11. Apr 2017, 14:47

PERIPHERES NERVENSYSTEM

STATISTISCHE DATEN

1) Fluorchinolon-assoziierte periphere Neuropathie.
Im Gegensatz zu vorherigen Berichten über milde und kurzfristige Fluorchinolon-assoziierte Ereignisse traten
in 36 von 45 berichteten Fällen schwere Ereignisse auf, welche typischerweise multiple Organsysteme
betrafen. Obwohl sich noch zahlreiche neuere Fälle entwickeln, betrug die Symptomdauer in 71% der Fälle
mehr als drei Monate und in 58% mehr als ein Jahr. Diese Fälle legen eine mögliche Assoziation zwischen
Fluorchinolonantibiotika und schweren, andauernden Nebenwirkungen nahe, welche das PNS und weitere
Organsysteme betreffen... Ärzte sollten bedenken, dass Fluorchinolon-assoziierte Ereignisse nach einer
Einzeldosis auftreten können.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11793615 → DOI: 10.1345/aph.1Z429
2) Risiken für periphere Neuropathie und Guillain-Barré-Syndrom nach Exposition gegenüber
systemischen Fluorchinolonen: Eine Analyse von Pharmakovigilanzdaten.
Bei der peripheren Neuropathie (PN) handelt es sich um ein identifiziertes Risiko der systemischen
antibakteriellen Therapie mit Fluorchinolonen. Zum Risiko und dessen schwerwiegenden Folgen,
einschließlich der Entwicklung eines Guillain-Barré Syndroms (GBS), gibt es für die individuellen Substanzen
keinen gesicherten Zusammenhang. Diese Studie überprüft die Assoziation zwischen Fluorchinolonen und
PN und GBS in Fällen, die der FDA im Rahmen des Spontanmeldesystems gemeldet wurden. Berücksichtigt
wurden Fallberichte aus der FDA-Datenbank für den Zeitraum 1997 bis 2012... Von 46.257 Berichten über
Fluorchinolon-induzierte Nebenwirkungen entfielen 539 auf PN... Diese Studie hebt erneut die Assoziation
zwischen Fluorchinolonen und PN hervor und verdeutlicht die potentielle Assoziation mit schwereren Formen
neurologischer Schäden, wie zum Beispiel GBS. Solange der Nutzen einer Fluorchinolontherapie (d. h., eine
außer Kontrolle geratene Infektion oder bakterielle Resistenz) nicht das Risiko für eine PN übersteigt, wird
eine Behandlung mit alternativen antibakteriellen Substanzen empfohlen.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24472364
3) Oraler Fluorchinolongebrauch und das Risiko für eine periphere Neuropathie (PN): Eine
pharmakoepidemiologische Studie.
Wir führten in einer Kohorte von Männern aus den USA im Alter von 45 bis 80 Jahren für den Zeitraum 2001
bis 2011 eine Fall-Kontroll-Studie durch... Als Sensitivitätsanalyse quantifizierten wir das Risiko einer PN unter
dem Arzneimittel Finasterid, das kein erhöhtes Risiko für eine PN aufweisen sollte... Wir identifizierten 6,226
Fälle und 24,904 Kontrollen. Aktuelle Anwender hatten ein höheres Risiko für die Entwicklung einer PN (RR =
1.83). Aktuelle neue Anwender hatten das höchste Risiko (RR = 2.07). Kein Risiko wurde bei aktuellen
Anwendern von Finasterid beobachtet.
https://pdfs.semanticscholar.org/1ad3/5 ... 56e5f0.pdf
4) 'Update': Oraler Fluorchinolongebrauch und das Risiko für eine periphere Neuropathie (PN): Eine
pharmakoepidemiologische Studie.
Wir führten eine zusätzliche Analyse durch, um die Robustheit unserer Ergebnisse in bezug auf
Infektionsprozesse, die unabhängig mit einer PN assoziiert sein können, als möglichen Störfaktor zu prüfen.
Daher untersuchten wir das Risiko für eine PN unter Azithromycin, einem weiteren Breitbandantibiotikum, das
chemisch nicht mit den Fluorchinolonen verwandt ist. Für Anwender von Azithromycin betrug das angepasste
relative Risiko 0.74 (95% CI: 0.44-1.23). Dies unterstreicht, dass unsere Ergebnisse nicht durch den Störfaktor
der Infektion beeinflusst wurden.
http://www.neurology.org/content/83/14/ ... y_el_61768
5) Überprüfung der Pharmakovigilanz-Datenbank der US Food and Drug Administration (FAERS): Fälle
von Fluorchinolon-assoziierter Invalidität (FQAD) bei Patienten mit Behandlung einer unkomplizierten
Sinusitis, Bronchitis und/oder Harnwegsinfektion (Gemeinsames Meeting des Antimicrobial Drug
Committee und des Drug Safety and Risk Management Advisory Committee, 5. November 2015).
76% der Patienten mit peripherer Neuropathie berichteten auch über Nebenwirkungen, die weitere
Organsysteme betrafen, einschließlich neuropsychiatrischer, muskuloskelettaler, visueller und kardialer
Ereignisse. Vieler dieser weiteren Nebenwirkungen schienen ebenfalls anhaltend und invalidisierend zu sein.
http://www.kaisergornick.com/documents/FQAD.pdf

FALLBERICHTE
1) Ciprofloxacin-induzierte Small fiber-Neuropathie: Ein Fallbericht.
Wir stellten in unserem Fall anhand von klinischen und neurophysiologischen Befunden eine Assoziation
zwischen Ciprofloxacinanwendung und Entwicklung einer Small fiber-Neuropathie nach Einnahme der ersten
Dosis fest. Das schwere periphere Brennen und die durch Untersuchungsbefunde abgesicherte Neuropathie
traten kurz nach Behandlungsbeginn auf; sie besserten sich nach Einnahmeabbruch, was aufgrund der
Abwesenheit anderer Risikofaktoren nahelegt, dass Ciprofloxacin zur Entwicklung der Neuropathie beitrug.
https://www.researchgate.net/publicatio ... europathy_
Case_Report → DOI: 10.1017/S031716710001742X
2) Therapieresistenter akuter Schmerz in Verbindung mit Fluorchinolon-induzierter peripherer
Neuropathie.
Dies ist ein Fallbericht über einen Patienten, der in der neurologischen Abteilung eines städtischen
Universitätsklinikums in den USA untersucht wurde. Der 20-jährige gut eingestellte Typ-1-Diabetiker
präsentierte sich nach 10-tägiger Anwendung von Levofloxacin, das wegen eines Verdachts auf Epididymitis
verordnet wurde, mit kurz andauerndem bilateralem Schmerz der unteren Extremitäten. Bei dem Patienten
wurde ursprünglich ein komplexes regionales Schmerzsyndrom diagnostiziert... Nach Dursicht der
Patientenakte und begrenztem Ansprechen auf medizinische Versorgung wurde der Zustand des Patienten
als Fluorchinolon-bedingte Nebenwirkung klassifiziert... Am 30. Behandlungstag wurde dem Patienten
detailliert mitgeteilt, um welche Art von Neuropathie es sich in seinem Fall handelt, dass diese über Monate
andauern kann und dass sie sich schließlich von selbst zurückbildet. Ihm wurde empfohlen, dass er zur
Nachuntersuchung seinen Hausarzt verständigt und bei Verschlechterung der Symptome die Notaufnahme
aufsucht.
https://www.researchgate.net/publicatio ... quinolone-
Induced_Peripheral_Neuropathy → DOI: 10.1080/15360288.2017.1301619
3) Permanente periphere Neuropathie: Ein Fallbericht über eine seltene aber schwere belastende
Nebenwirkung durch Fluorchinolonanwendung.
Wir berichten über eine 57-jährige Patientin, die wegen einer Harnwegsinfektion mit zweimal täglich 250 mg
Ciprofloxacin behandelt wurde... 2 Monate später entwickelte sie Ganzkörperbrennen und Alopezie. Das
Brennen begann nach ihrer Auskunft 2 oder 3 Tage nach Beendigung der Ciprofloxacineinnahme. Das
Brennen dauerte 3 Wochen an und bildete sich zurück, trat aber 3 Wochen später wieder verstärkt auf... Sie
nannte eine Schmerzintensität von 10/10... Leichte Berührungen und Nadelstiche verursachten Schmerzen
und Parästhesien der oberen und unteren Extremitäten... Zwei Jahre nach dem initialen Einsetzen der
Symptome leidet die Patientin weiterhin unter Ciprofloxacin-assoziierten Polyneuropathien. Während des
jüngsten Besuchs berichtet sie über konstante Schmerzen mit einer Intensität von 7/10 und die Unfähigkeit,
länger als 2 Minuten schmerzfrei zu gehen... Die Patientin nimmt zur Kontrolle der Schmerzsymptomatik
täglich 20 mg Amitriptylin.... Trotz scheinbar signifikanter Studiendaten und zahlreicher Patientenberichte
verordnen Ärzte entgegen den Empfehlungen der FDA weiterhin unsystematisch Fluorchinolonantibiotika...
Wir hoffen, dass der neue Warnhinweis der FDA und die Präsentation dieses Falls dazu beitragen, dass Ärzte
bezüglich der Auswahl der Behandlungsmethoden gewissenhafter vorgehen.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4528905/



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