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Schorsch
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SEHNEN

Beitragvon Schorsch » 11. Apr 2017, 14:54

SEHNEN
INZIDENZ UND LATENZ

1) Fluorchinolon-induzierte bilaterale Ruptur der Achillessehne: Klinische und sonographische
Ergebnisse.
Fluorchinolon-induzierte Tendinopathien sind in der Literatur lückenhaft dokumentiert.
http://www.reumatismo.org/index.php/reu ... e/view/140
2) Fluorchinolon-induzierte Tendinopathie: Was wissen wir?
Fluorchinolon-induzierte Tendinopathien sind sowohl in der Literatur als auch in der Datenbank der FDA
lückenhaft dokumentiert.
https://pdfs.semanticscholar.org/b8ff/5 ... a06edf.pdf
3) Chinolon-induzierte Achillessehnenruptur: zwei Fallbeispiele.
Die Inzidenzraten für Sehnenerkrankungen bei Norfloxacin (Barazan®) liegen bei 10/10000, für Ciprofloxacin
(Ciprobay®) bei 44/10000 und für Ofloxacin (Tarivid®) bei 96/10000 [Stand Dez. 2005]. Die ersten
Nebenwirkungs-Symptome nach Chinoloneinnahme können, wie verschiedene Studien und
Zusammenstellungen von Fällen aufzeigen, schon zwei Stunden nach Therapiebeginn sowie auch erst
Monate nach Therapieende auftreten und sind nicht dosisabhängig.
https://www.researchgate.net/publicatio ... enruptur_-
_zwei_Fallbeispiele → DOI: 10.1007/s10302-005-0192-y
4) Einfluss von Ciprofloxacin und verschiedenen Hämofiltrat-Fraktionen vom Patienten mit
chronischer Nierenerkrankung auf Tenozyten des Menschen in vitro.
Angaben zur Häufigkeit der Chinolon-induzierten Tendopathien variieren in der Fachliteratur deutlich. Gründe
hierfür sind, dass neben wenigen retrospektiven Studien vor allem Fallberichte als Informationsquelle dienen.
Diese klinischen Berichte werden jedoch oft nur beim Eintreten einer Sehnenruptur verfasst. Viele Fälle einer
mit schmerzhaften Symptomen einhergehenden Tendinitis werden jedoch vermutlich gar nicht erfasst.
Erschwerend kommt hinzu, dass ein Kausalzusammenhang zu einer Therapie mit Chinolonen oft nur schwer
herzustellen ist. Dies liegt vor allem an der mitunter erheblichen Latenzzeit von bis zu 180 Tagen und mehr,
die zwischen Beginn einer Chinolon-Therapie und dem Auftreten erster Symptome liegen kann
http://edoc.rki.de/documents/dissertati ... /askar.pdf

DOSIS-WIRKUNGS-BEZIEHUNG
1) Muskuloskelettale Schädigungen in Verbindung mit Fluorchinolonantibiotika.
Die Schädigungen waren nicht dosisabhängig und traten bei Behandlungen auf, die einer gewöhnlichen,
einer kürzeren oder einer längeren Anwendungsdauer entsprachen.
http://www.sciencedirect.com/science/ar ... 980500043X → DOI: 10.1016/j.cps.2005.05.004
2) Chinolon-induzierte Achillessehnenruptur: zwei Fallbeispiele.
Das Eintreten der Nebenwirkung geschieht oft ohne Vorzeichen, ist nicht dosisabhängig und kann schon ein
paar Stunden nach Therapiebeginn genauso wie auch erst mehrere Wochen nach Therapieende auftreten.
https://www.researchgate.net/publicatio ... enruptur_-
_zwei_Fallbeispiele
3) Epicondylitis nach Behandlung mit Fluorchinolonantibiotika.
Bei der Sehne handelt es sich um eine bindegewebige Struktur mit geringem Zellgehalt, hauptsächlich
Fibroblasten, geringer Durchblutung und hoher Anzahl an Kollagenfasern. Es könnte eine direkte toxische
Wirkung auf Kollagenfasern vorliegen. Das plötzliche Einsetzen von Tendopathien, die manchmal nach einer
Chinolon-Einzeldosis auftreten, legt die Möglichkeit einer direkten Toxizität nahe.
http://www.boneandjoint.org.uk/content/ ... 3.full.pdf
4) Fluorchinolon-assoziierte Sehnenerkrankungen: Eine Studie zu 42 Spontanberichten aus dem
Zeitraum 1988 bis 1998.
Das plötzliche Einsetzen von Tendinopathien, welche sich gelegentlich nach einer Fluorchinolon-Einzeldosis
ereignen, legt eine direkte toxische Wirkung auf Kollagenfasern nahe.
http://databankws.lareb.nl/Downloads/ACR2001_920.pdf
5) Multiple Sehnenrupturen nach Levofloxacintherapie.
Die Sehnentoxizität der Fluorchinolone ist bei der Ratte dosisabhängig, kann aber beim Menschen jederzeit
während der Behandlung auftreten, sogar nach einer Einzeldosis.
http://www.sciencedirect.com/science/ar ... 9X03002392
DOI: 10.1016/j.jbspin.2003.10.016
6) Levofloxacin-assoziierte Achillessehnenruptur und Tendinopathie.
Der Mechanismus der toxischen Wirkungen auf das Bindegewebe ist unbekannt. Die Sehnenerkrankungen
können sich schnell ereignen, aber Tendinitis und Sehnenrupturen können erst mehrere Monate nach der
Behandlung auftreten. Eine Einzeldosis kann ausreichend sein, um langanhaltende strukturelle
Veränderungen zu verursachen. Die chelierenden Eigenschaften der Fluorchinolone könnten die Integrität der
Sehnen stören, aber es ist auch möglich, dass Mitochondrien ein biologisches Ziel repräsentieren.
http://www.tandfonline.com/doi/abs/10.1 ... 0310015863
DOI: 10.1080/00365540310015863
7) Orale Fluorchinolone und das Risiko von Netzhautablösungen.
Die berichteten Fälle von Sehnenrupturen nach nur einer Fluorchinolondosis stützen die Hypothese der akuttoxischen
Wirkung dieser Arzneimittel auf möglicherweise alle Bindegewebstypen...
http://jamanetwork.com/journals/jama/fu ... le/1148331

VORLÄUFIGE EXPERIMENTELLE DATEN
1) Wirkungen von Ciprofloxacin auf den Fibroblastenstoffwechsel des Sehnen-, Paratenon- und
Kapselgewebes.
Ciprofloxacin hemmte in therapeutischen Konzentrationen die Kollagensynthese und Proliferation von
Fibroblasten und erhöhte den Kollagenabbau. Diese Wirkung wurde bei allen untersuchten
Fibroblastenpopulationen beobachtet (Achillessehne, Paratenon und Schulterkapsel). Die beobachteten
Wirkungen können bei der Entwicklung einer Fluorchinolon-assoziierten Tendinitis, Sehnendegeneration und
Sehnenruptur eine Rolle spielen.
https://www.researchgate.net/publicatio ... n_parateno n_and_c
apsular_fibroblast_metabolism
2) Wirkungen von Glukokortikoiden und Chinolonen auf Tenozyten vom Menschen in vitro.
Nach der Einzelbehandlung mit Ciprofloxacin bzw. Levofloxacin zeigten sich bei allen getesteten
Konzentrationen Veränderungen sowohl in der Ultrastruktur humaner Tenozyten als auch der Matrix. Im
Vergleich zur unbehandelten Kontrolle kam es nach Inkubation mit beiden Chinolonen bereits in
Konzentrationen, die auch im Blutplasma von Chinolon-behandelten Patienten erreicht werden (etwa 3 mg/L
Fluorchinolon), zu einer verringerten Produktion der extrazellulären Matrix, was auf eine verringerte
Syntheseleistung und Vitalität der Zelle oder einen Matrixabbau hindeutet. Außerdem konnten vermehrt
meist mit Fett gefüllte Vakuolen und Vesikel beobachtet werden, was u. a. auch auf einen erhöhten Abbau
oder Umbau von Zellstrukturen hindeuten könnte. Dies bestätigte sich bei der Analyse der Zellorganellen.
Insbesondere die Mitochondrien waren meist strukturlos, entweder ohne eine erkennbare Cristae-Struktur
oder mit aufgeweiteten Cristae, und insgesamt aufgebläht. Das rER wies häufig häufig eine Aufweitung und
eine Ablösung der Ribosomen auf. Auch die Aufweitung der lamellenartigen Anordnung der Golgi Apparate
verdeutlichte den beginnenden Funktionsverlust und die Degeneration der Zellorganellen. Im Zellkern war
eine klare Differenzierung zwischen Heterochromatin und Euchromatin nur noch schwer möglich, und der
Anteil an aktivem Euchromatin schien verringert... Darüber hinaus ließen sich bereits ab der geringsten
getesteten Konzentration sowohl für Ciprofloxacin als auch für Levofloxacin bei einigen Zellen die Anzeichen
eines apoptotischen Zelltods nachweisen.
(Quelle: Sendzik, J, Berliner Beiträge zur Pharmazie, Bd. 6. Berlin 2006, S. 53.)
3) In vitro-Studie zur zytotoxischen Wirkung der Chinolone auf Kaninchentenozyten.
Tendinitiden und Sehnenrupturen verkomplizieren die Fluorchinolontherapie... Diese neuen Chinolone sind
stärkere antimikrobielle Substanzen als die älteren nicht-fluorierten Verbindungen wie z. B. Nalidixinsäure.
Wir verglichen die Wirkungen eines Chinolons (Nalidixinsäure) und zweier Fluorchinolone (Norfloxacin und
Pefloxacin) auf kultivierte Kaninchen-Achillessehnenzellen... Bei einer Konzentration von 10¯³ mol/L
stimulierte Nalidixinsäure die allgemeine mitochondriale Aktivität, während Fluorchinolone die
mitochondriale Aktivität erniedrigten... Unsere mittels Neutralrot-Test und MTT-Test an Kaninchentenozyten
durchgeführten in vitro-Untersuchungen deckten ähnliche dosisabhängige Sehnenschädigungen bei
Pefloxacin und Norfloxacin auf, während Nalidixinsäure keine Schädigungen verursachte. Darüberhinaus
zeigten Untersuchungen mittels MTT und Rhodamin 123 eine zytotoxische Wirkung von Fluorchinolonen
(Norfloxacin und Pefloxacin) auf Mitochondrien (allgemeine Aktivität und mitochondriale Succinat-
Dehydrogenase-Aktivität), während Nalidixinsäure nicht zytotoxisch wirkte. Diese einander ergänzenden
Ergebnisse legen nahe, dass Mitochondrien zu den biologischen Zielen sehnenschädigender Fluorchinolone
zählen.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9733283 → DOI: 10.1023/A:1007435025616
4) Ciprofloxacin beeinflusst Calciumsignale infolge einer Reduktion der mitochondrialen DNA in
Jurkat-Zellen.
Unglücklicherweise inhibiert Ciprofloxacin auch die menschliche Topoisomerase II, vor allem deren
mitochondriale Isoform. Diese Nebenwirkung führt zu einer eingeschränkten Replikation der mitochondrialen
DNA und verursacht daher eine Fragmentierung und graduelle Abnahme der mitochondrialen DNA.
http://aac.asm.org/content/50/5/1664.full
5) Multiparametrische MRT zur Darstellung von Glykosaminoglykanveränderungen der Achillessehne
während der Ciprofloxacinverabreichung an gesunde Männer.
Da die Funktion der Achillessehne von ihrer biochemischen Zusammensetzung abhängt und biochemische
Veränderungen morphologischen Veränderungen vorausgehen, kann die Detektion biochemischer
Veränderungen dabei helfen, dass Risiko einer sich entwickelnden Tendinopathie zu beleuchten.
Zu den pathologischen Veränderungen zählt ein Anstieg des Glykosaminoglykangehalts, welcher von einem
Anstieg der Natriumkonzentration begleitet wird... Unsere Studie zeigt, dass die Natrium-MRT geeignet ist,
um Veränderungen des Glykosaminoglykangehalts der Achillessehne nach Ciprofloxacineinnahme durch
gesunde Männer nachzuweisen. Die Veränderungen wurden 10 Tage nach der Ciprofloxacineinnahme
beobachtet, das Natriumsignal erreichte nach 5 Monaten wieder den Normalwert... Unsere Studie stellt eine
Verbindung zwischen Ciprofloxacineinnahme und Achillestendinopathie her. Während in bisherigen Studien
der Verdacht geäußert wurde, dass die Fluorchinolon-assoziierte Achillestendinopathie mit dem Alter des
Patienten, einer Kortisonbehandlung und Nierenversagen korreliert, zeigt unsere Studie, dass
Achillessehnenveränderungen auch bei gesunden jungen Männern beobachtet werden können. Obwohl
diese Veränderungen durch MR-Bilder verifiziert wurden, führten die Veränderungen nicht zu klinischen
Symptomen einer Tendinopathie oder Sehnenverletzung; allerdings wurden alle Probanden [insgesamt 7 mit
einem Durchschnittsalter von 32 J.] darum gebeten, innerhalb von wenigstens 14 Tagen nach Beginn der
Ciprofloxacineinnahme auf intensive körperliche Aktivität zu verzichten.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4441530/

FALLBERICHTE
1) Spontane bilaterale Patellarsehnenruptur: Fallbericht und Überprüfung der Fluorchinoloninduzierten
Tendinopathie.
Ein 47-jähriger männlicher Freizeitläufer ohne vorherige Komorbiditäten stellte sich in unserer Notaufnahme
mit bilateralem Knieschmerz und Gehunfähigkeit vor. Zwei Wochen vor der Präsentation wurde der Patient
wegen einer Lungeninfektion mit zweimal täglich 500 mg Ciprofloxacin behandelt... Es wurde ein operativer
Eingriff durchgeführt... Nach der Reparatur begann der Patient mit einem postoperativen
Rehabilitationsprogramm... 1 Jahr später konnte der Patient wieder ohne Krücken laufen... Unser Patient war
47 Jahre alt und hatte keine systemische Erkrankung oder prädisponierenden Risikofaktoren außer der
kürzlich erfolgten Fluorchinoloneinnahme.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4929805/
2) Fluorchinolon-assoziierte bilaterale Patellarsehnenruptur: Ein Fallbericht und Überprüfung der
Literatur.
Wir präsentieren den Fall eines 43-jährigen Patienten ohne vorherige Komorbiditäten, der nach einer
Fluorchinolonbehandlung eine atraumatische bilaterale Patellarsehnenruptur erlitt. Seine
Medikamentengeschichte enthielt nur einen signifikanten Hinweis auf eine 10-tägige
Ciprofloxacinbehandlung wegen einer Atemwegserkrankung, die 3 Monate vor der Schädigung
abgeschlossen wurde... Der Patient unterzog sich einer Reparatur der gerissenen Patellarsehnen mittels
transossärer Refixation... Nach 12 Monaten hat er seine vollständige Kniegelenksfunktion wiedererlangt.
http://militarymedicine.amsus.org/doi/p ... D-09-00142
3) Ein seltener Fall von Supraspinatussehnenruptur.
Ein 66-jähriger Patient wurde wegen einer akuten myelomonozytären Leukämie mit Mitoxantron, Cytarabin
und Etoposid behandelt. Wir verabreichtem ihm standardmäßig zweimal täglich 500 Ciprofloxacin oral als
antibakterielle Prophylaxe. Zwei Wochen später klagte er über Schmerzen in beiden Schultern, welche sich
zunehmend verschlechterten, bis er die Arme nicht mehr heben konnte. Er hatte auch Schmerzen in der
Hüfte und den Knien, aber die Achillessehnen waren nicht betroffen. Es waren keine Anzeichen einer
Entzündung zu sehen, aber das Ertasten des Insertionspunkts der Supraspinatussehne provozierte eine
Schmerzreaktion. Im Ultraschall zeigte sich eine bilaterale Teilruptur der Suprapinatussehne und eine
Subscapularistendinopathie. Unser Verdacht richtete sich auf Ciprofloxacintoxizität, weshalb wir das
Arzneimittel absetzten und dem Patienten Analgetika und Physiotherapie verordneten. Die Schmerzen
bildeten sich im Laufe weniger Tage vollständig zurück, allerdings nahm die vollständige funktionelle
Erholung einige Monate in Anspruch. Aufgrund der Schwere der Nebenwirkungen führten wir keine
Reexposition mit Ciprofloxacin durch... Das Alter unseres Patienten scheint der einzige Risikofaktor gewesen
zu sein, da er keine Kortikosteroide einnahm und keine Nierendysfunktion aufwies.
https://www.researchgate.net/publicatio ... on_rupture
4) Ciprofloxacin-assoziierte Ruptur der Tibialis anterior-Sehne.
Ein 40-jähriger Patient mit akuter lymphatischer Leukämie wurde kürzlich mit Schwellungen nahe des
Fußrückens und des Sprunggelenks an unsere Radiologie überwiesen. Er hatte akut einsetzende Schmerzen
am Sprunggelenk. Diese nahmen beim Gehen zu, ließen aber bei Schonung nicht nach. Bei der körperlichen
Untersuchung wurden Druckempfindlichkeit der Tibialis anterior-Sehne und Schwäche der Dorsalflexion
festgestellt. Er hatte wegen einer Zystitis täglich 800 mg Ciprofloxacin für 7 Tage eingenommen. Die
Symptome entwickelten sich innerhalb von 5 Tagen nach Therapiebeginn. Seine Leukämie bildete sich zurück.
Er war nicht auf Kortikosteroide angewiesen und hatte keine verletzungsbedingten Traumen.... 2 Monate nach
Absetzen von Ciprofloxacin stellte sich beim Patienten Erleichertung ein. Eine Nachuntersuchung per MRT
wurde nicht durchgeführt.
https://www.researchgate.net/publicatio ... _with_cipr
ofloxacin_therapy
5) Chinolon-induzierte Sehnenruptur: Eine Fallserie.
Ein 55-jähriger chronischer Raucher erhielt zweimal täglich 500 mg Levofloxacin wegen einer
Atemwegsinfektion. 10 Tage nach Beendigung der Therapie kam es zu ausgeprägten Schmerzen der
vorderen linken Schulter, die beim Heben von Gewichten zunahmen. Ruhigstellung und konservative
Behandlung trugen nicht zur Symptomlinderung bei, und innerhalb von 3 Tagen nach Einsetzen der
schmerzhaften Symptome registrierte er beim Anheben eines Wassereimers ein schnappendes Geräusch mit
Nachgeben der vorderen Schulter. Die prominente Aufwölbung (Popeye-Muskel) entlang des vorderen
Oberarms und die Sonographie zeigten eine Sehnenruptur des langen Bizepskopfes. Der Patient lehnte
einen chirurgischen Eingriff ab und es wurde ein konservativer Behandlungsweg verfolgt. 6 Monate später
verrichtet der Patient seine täglichen Aktivitäten mit leichtgradiger Schwäche zwischen Ellenbogen und
Schulter.
http://www.ijsurgery.com/index.php/isj/ ... le/805/801
6) Chinolon-induzierte Achillessehnenruptur: zwei Fallbeispiele.
Wir berichten über einen 74-jährigen Patienten, der sich mit dem Bild einer Achillessehnenruptur rechts ohne
vorangegangenes Trauma in unserer Orthopädischen Ambulanz vorstellte... Noch während der Behandlung
mit Levofloxacin kam es ohne äußere Einwirkung oder Sturz zu einer Ruptur der rechten Achillessehne.
Weiterhin berichten wir über eine 51-jährige Kollegin, die aufgrund rezidiviernder Bronchitiden mit
Ciprofloxacin behandelt wurde und bei der zwei Wochen nach der letzten Ciprofloxacineinnahme erst beim
Tennisspielen die linke Achillessehne und abends im Badezimmer auch noch die rechte Achillessehne riss...
Bei dem 74-jährigen Patienten zeigte sich bei der operativen Versorgung eine über eine Strecke von
mindestens 6 cm stark aufgefaserte Achillessehnenruptur mit Zerreissung des Peritendineums. Die Fasern
wurden sorgfältig aneinander adaptiert, so dass die Achillessehne mit einer kräftigen Bunnell- und einer
Kessler-Naht wieder rekonstruiert werden konnte. Bei der Nachsorge wurde für 2 Wochen ein
Unterschenkelgipsverband in Spitzfußstellung angelegt. Daran schloss sich eine 4-wöchige
Liegegipsbehandlung an. Von einer frühzeitigeren Belastung im Gips wurde aufgrund der ausgedehnten
degenerativen Veränderungen der Sehne abgesehen. Beim Erfragen des Heilungsverlaufes gab der Patient
nach 3 Monaten Beschwerdefreiheit bei wiederhergestellter Funktion an. Auch bei der 51-jährigen Kollegin
kam es zu einer operativen Versorgung beider Achillessehnen mit Rekonstruktion der Sehnen durch Bunellund
Kessler-Nähte. Die Nachsorge gestaltete sich aufgrund der beidseitigen Ruptur etwas schwieriger, aber
nach 2 Wochen Liegegips in Spitzfußstellung konnte die Patientin mit Orthesen langsam wieder mobilisiert
werden. Auch in diesem Fall kam es nach 3 Monaten zu Beschwerdefreiheit bei nahezu komplett
wiederhergestellter Funktion.
https://www.researchgate.net/publicatio ... enruptur_-
_zwei_Fallbeispiele → DOI: 10.1007/s10302-005-0192-y
7) Levofloxacin-assoziierte Achillessehnenruptur und Tendinopathie.
Wir berichten über 5 Fälle von Achillessehnenerkrankung während einer Levofloxacineinnahme durch COPDPatienten,
von denen 3 durch Sehnenrupturen verkompliziert wurden. Die Latenzzeit zwischen der
Levofloxacinbehandlung und dem Einsetzen erster Symptome betrug zwischen 2 und 8 Tage. Die häufigsten
Beschwerden betrafen Schmerzen im unteren Wadenbereich. Die Rupturen ereigneten sich bei einer
Kombination von Levofloxacin mit erhöhten Kortikosteroiddosierungen und nur geringer mechanischer
Stresseinwirkung auf die Sehnen, gewöhnlich beim Gehen... Vier Patienten waren beidseits betroffen. Die
Patienten wurden konservativ behandelt. Keiner der Patienten erholte sich vollständig nach Beendigung der
Levofloxacinbehandlung. Der Verlust der Lebensqualität war aufgrund von chronischen Schmerzen und
Gehbehinderungen, die durch die Sehnenrupturen verursacht wurden, bedenklich, und in einem Fall nahm
sich der Patient das Leben...
http://www.tandfonline.com/doi/abs/10.1 ... 0310015863 → DOI: 10.1080/00365540310015863
8) Tod nach bilateraler Achillessehnenruptur bei einem Patienten unter Fluorchinolontherapie: Ein
Fallbericht.
Ein gesunder 91-jähriger Patient erhielt wegen einer vermuteten bakteriellen Pneumonitis eine
Fluorchinolontherapie (Levofloxacin). Anschließend entwickelte er einen bilateralen Fersenschmerz, Ödeme
und Ekchymosen, die zur Diagnose einer vollständigen bilateralen Achillessehnenruptur führten. Diese
Arzneimittelnebenwirkung war diekt verantwortlich für den anschließenden körperlichen und
psychologischen Verfall und unglücklichen Tod... Zehn Wochen nach der Diagnose erschien der Patient in der
Notaufnahme mit einem Gewichtsverlust von 11 Kg und allgemeiner Lethargie. Er wurde zur Beurteilung
hospitalisiert und hydratisiert und seine blutdrucksenkende Medikation wurde modifiziert (Quinapril,
Spironolacton und Hydrochlorothiazid wurden abgesetzt). Er wurde mit stabilen Blutdruckwerten entlassen,
deren enge Nachkontrolle durch seinen Hausarzt stattfinden sollte. Am nächsten Tag wurde der Patient mit
einer nosokomial erworbenen Pneumonie zur stationären Pflege eingewiesen. Anschließend kam es zu
Nierenversagen, Sepsis, Herzversagen und einem Myokardinfarkt. Nach einer Beratung mit dem Patienten
und seiner Familie wurde die Betreuung eingestellt und eine Palliativersorgung initiiert, bis der Patient 11
Wochen nach der initialen Diagnose einer bilateralen Achillessehnenruptur verstarb... Was diesen Bericht so
bemerkenswert macht, ist nicht die Schwere der Nebenwirkung, sondern die Schwere des Endergebnisses.
Obwohl diese Medikamente zahlreiche Nebenwirkungen haben, wurde der Tod nie zuvor in der Literatur so
offenkundig mit einer katalytischen Levofloxacinbehandlung in Verbindung gebracht.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2631494/
9) Fluorchinolon-induzierte Tendinopathie: Bericht über 6 Fälle.
Wir beschreiben 6 Fälle von Fluorchinolon-induzierter Achillestendinitis bei 4 Frauen und 2 Männern mit
einem durchschnittlichen Alter von 68.6 Jahren. Die Patienten stellten sich mit plötzlich auftretenden
Schmerzen und Schwellungen vor, die oft bilateral auftraten... Eine rechtzeitige und angemessene
Behandlung konnte längere Regenerationsphasen nicht verhindern und es gab immer ein Risiko für
funktionelle Folgeschäden.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/8832995
10) Fluorchinolon-induzierte Epicondylitis bei Sportlern. Zwei Fallberichte.
Bei zwei Freizeitsportlern ereignete sich nach Fluorchinoloneinnahme eine Epicondylitis. Über ähnliche Fälle
wurde in der Literatur nicht berichtet. In beiden Fällen setzten kurz nach Therapiebeginn Schmerzen ein.
Diese waren stark und mit üblichen Behandlungsmethoden nicht zu kontrollieren. In der Sonographie waren
ausgeprägte entzündliche Läsionen mit Pseudonekrosen zu sehen. Das MRT-Bild bestätigte die Läsionen und
zeigte infraklinische Läsionen der angrenzenden Sehnen. Aufgrund der persistierenden Schmerzen bestand
die Indikation einer chirurgischen Desinsertion und Biopsie der Sehnenansätze... Die Schmerzen bildeten sich
postoperativ zurück und die Patienten konnten ihre Arbeit wieder aufnehmen, aber keiner der beiden war in
der Lage, weiterhin Sport auszuüben.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/7860672
11) Karpaltunnelsyndrom nach Ciprofloxacin-induzierter Tendinitis.
Eine 77-jährige rechtshändige Patientin wurde wegen einer Harnwegsinfektion mit oralem Ciprofloxacin
behandelt. Drei Tage später entwickelte sie einen bilateralen Handschmerz mit Schwellungen, welche sich
nach dem Absetzen des Arzneimittels und einer kurzfristigen Behandlung mit oralen Steroiden und
Antihistaminika zurückbildeten... Da sie starke Nachtschmerzen hatte, wurde sie an einen Neurologen
überwiesen. Zu diesem Zeitpunkt, 4 Wochen nach dem Einsetzen und Rückgang der Schwellungen, waren
immer noch die ersten drei Finger von Schmerzen betroffen, vor allem an der linken Hand... Die Verwendung
einer Handgelenkschiene führte nicht zur Linderung der Symptome. Eine Nachuntersuchung zeigte 3 Monate
später keine signifikante Verbesserung. Da die Symptome persistierten, unterzog sie sich einer bilateralen
Karpaltunnel-OP, welche die Symptome beseitigte.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20215992 → DOI: 10.1097/CND.0b013e3181d23a9c
12) Levofloxacin-assoziierte schwere Schultertendinopathie.
Wir berichten über den Fall einer 63-jährigen zuvor asymptomatischen Patientin, die eine schwere
Schultertendinopathie erlitt, nachdem sie heimlich die verordnete Levofloxacindosis zur Behandlung einer
ambulant erworbenen Pneumonie verdoppelte... Die Patientin wurde mit strikter körperlicher Schonung,
NSAID, Schulterschiene und Physiotherapie behandelt. Ihr Zustand besserte sich im Laufe von Wochen, die
linke Schulter blieb schmerzhaft. Im MRT-Bild zeigte sich drei Monate später ein partieller Riss der linken
Supraspinatussehne (Sehnenausdünnung 40%-50%), womit die Indikation für einen chirurgischen Eingriff
gegeben war. Bei der Arthroskopie zeigte sich eine Schädigung der Rotatorenmanschette mit subakromialem
Impingement. Eine arthroskopische Stabilisierung mittels Fadenanker und subakromialer Dekompression
wurde erfolgreich durchgeführt. Die Patientin befindet sich sechs Monate nach dem chirurgischen Eingriff in
guter Verfassung.
http://www.scielo.br/pdf/bjid/v16n4/v16n4a16.pdf
13) Fluorchinolon-assoziierte Tendinopathie: Ein Fallbericht.
Eine 42-jährige Patientin stellte sich in der Notaufnahme unseres Krankenhauses mit akut einsetzenden
allgemeinen Schmerzen vor, die wenige Stunden nach Einnahme von Ciprofloxacin auftraten, das wegen einer
vermuteten Harnwegsinfektion verordnet wurde. Die klinische Unterschung war zu diesem Zeitpunkt
unauffällig. Ihr wurde geraten, die 5-tägige antibiotische Therapie zu beenden. Ihre Symptome persistierten
nach 3 Wochen und sie wurde an einen Rheumatologen überwiesen. Sie berichtete, dass die Sehnen ihrer
Hände, des linken Knies und des linken Sprunggelenks „entzündet“ waren. Sie litt unter Morgensteifigkeit, die
30 Minuten andauerte, und die Schmerzen nahmen am Ende des Tages zu. Das Gehen war ebenso
schmerzhaft wie einfaches Arbeiten mit den Händen... Es wurde eine Ciprofloxacin-assoziierte Tendinopathie
diagnostiziert. Sie wurde mit Ibuprofen nach Bedarf und einer abgestuften Bewegungstherapie behandelt.
Ihre Symptome besserten sich nach drei Wochen und bildeten sich nach 4 Monaten vollständig zurück... Die
meisten Patienten erholen sich innerhalb von 2 Monaten nach Beendigung der Therapie, aber ein Viertel der
Patienten leidet unter persistierenden Schmerzen und Aktivitätseinschränkungen.
https://jmedicalcasereports.biomedcentr ... -1947-1-55

WEITERE:
Ruptur der Patellarsehne einen Monat nach Fluorchinolonbehandlung.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/10970974
Ruptur der Adduktor-longus-Sehne durch Ciprofloxacin.
http://www.actaorthopaedica.be/acta/dow ... poulos.pdf
Ciprofloxacin-induzierte Ruptur der Rectus Femoris-Sehne.
http://journals.lww.com/cjsportsmed/Cit ... al_Rectus_ Femoris.
14.aspx
Ciprofloxacin-induzierte Ruptur des Fingerstreckers.
http://caseconnector.jbjs.org/content/5/2/e30
Wiederholte Strecksehnenruptur der Hand durch Fluorchinolonanwendung: Ein Fallbericht.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9289004
Kann orales Levofloxacin eine Ruptur der Flexor digitorum profundus-Sehne verursachen?
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21840134
Levofloxacin-induzierte Tendinopathie der Hüfte.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22535840/
Ciprofloxacin-induzierte Tendinopathie der glutealen Sehnen.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4238198/
Bilaterale Plantarfasziitis während einer Levofloxacintherapie.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC1885058/
Ciprofloxacin-induzierte Urtikaria und Tenosynovitis: Ein Fallbericht. [Flexor hallucis longus-Sehne]
https://www.karger.com/Article/Pdf/149720
Chinolone und Sehnenrupturen. [Subscapularissehne]
http://europepmc.org/abstract/med/10832946
Früher postoperativer Fluorchinolongebrauch ist mit erhöhter Revisionsrate nach arthroskopischer
Reparatur der Rotatorenmanschette assoziiert.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27738740
Fluorchinolone verschlechtern die Sehnenheilung bei Ratten in einem Rotatorenmanschetten-
Reparaturmodell: eine vorläufige Studie.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25143490
Multiple Sehnenrupturen nach Levofloxacintherapie.
http://www.sciencedirect.com/science/ar ... 9X03002392
Vermutete Rolle von Ofloxacin in einem Fall von Arthralgie, Myalgie und multipler Tendinopathie.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/10526383

RECHTSHINWEIS
Muskuloskelettale Schädigungen in Verbindung mit Fluorchinolonantibiotika.
Die Verantwortung für die Kenntnis der Anwendungsrisiken von Fluorchinolonen liegt beim verordnenden
Arzt. Der Arzt unterliegt der Pflicht, den Patienten über möglichen Nebenwirkungen aufzuklären,
einschließlich jener unüblichen Nebenwirkungen, die mit schwerwiegenden Komplikationen einhergehen, wie
z. B. Fluorchinolon-assoziierte Tendinopathien. Eine Pflichtverletzung, die zur Schädigung des Patienten führt,
ist ein Anhaltspunkt für fahrlässiges Verhalten.
http://www.plasticsurgery.theclinics.co ... 94-1298(05)00043-X/abstract →
DOI: 10.1016/j.cps.2005.05.004



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