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ZENTRALES NERVENSYSTEM und PSYCHOSE

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Schorsch
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ZENTRALES NERVENSYSTEM und PSYCHOSE

Beitragvon Schorsch » 11. Apr 2017, 15:01

ZENTRALES NERVENSYSTEM

Chinolone: Überprüfung psychiatrischer und neurologischer Nebenwirkungen.
Manie, Insomnie, akute Psychose und Delirium waren die am häufigsten berichteten psychiatrischen
Nebenwirkungen; tonisch-klonische Krampfanfälle, Konfusion, Konvulsionen und Myoklonien waren die am
häufigsten berichteten neurologischen Nebenwirkungen... Von diesen Wirkungen können nicht nur anfällige,
sondern auch 'gesunde' Patienten betroffen sein.
https://www.researchgate.net/publicatio ... logical_Ad
verse_Reactions

STATISTISCHE DATEN
1) Psychopathologische Syndrome unter Behandlung mit Gyrasehemmern.
In einer eigenen retrospektiven Studie wurden konsiliarpsychiatrische Befunde von 4189 Patienten
ausgewertet. Bei 29 Patienten wurde der Verdacht auf das Vorliegen einer psychischen unerwünschten
Arzneimittelwirkung (UAW) unter Behandlung mit Ofloxacin oder Ciprofloxacin dokumentiert. Neben
deliranten Syndromen wurden paranoide Syndrome, depressive und manische Bilder, Unruhezustände,
Schlafstörungen sowie je ein soporöses und ein stuporöses Syndrom ermittelt... 15mal wurde vom
Konsiliararzt ein Zusammenhang mit der Einnahme des Gyrasehemmers als wahrscheinlich, in den anderen
14 Fällen als möglich eingeschätzt. Die Einnahmedauer des Gyrasehemmers bis zum Auftreten der
psychischen Störungen war sehr unterschiedlich und lag zwischen 1 Tag und mehreren Wochen. Bei 10
Verdachtsfällen wurde Ofloxacin angeschuldigt, bei den verbleibenden 19 Verdachtsfällen Ciprofloxacin. Bei 2
Patienten persistierten die psychischen Störungen trotz begleitender Behandlung mit Psychopharmaka über
mehrere Wochen. Bei 4 Patienten konnten aus den Krankenakten keine zuverlässigen Informationen über den
weiteren Verlauf gewonnen werden [Der Übersicht kann entnommen werden, dass in 5 weiteren Fällen nur
eine langsame Besserung eintrat. In einem weiteren Fall trat eine nur geringe langsame Besserung ein. In einem
weiteren Fall kam es zu einer kurzzeitigen Verschlechterung.].
https://link.springer.com/article/10.1007/s001150050094 → DOI: 10.1007/s001150050094
2) Fluorchinolon-assoziierte neuropsychiatrische und mitochondriale Toxizität: Eine kollaborative
Untersuchung von Wissenschaftlern und Mitgliedern eines sozialen Netzwerks.
Neue ernsthafte Flurochinolon-assoziierte Sicherheitsbedenken wurden mithilfe einer neuartigen
Kollaboration identifiziert, die aus ehemaligen Fluorchinolon-Patienten mit langfristigen neuropsychiatrischen
Schädigungen, Pharmakovigilanzexperten und Wissenschaftlern bestand... Insgesamt antworteten 94
Individuen auf eine Umfrage des webbasierten Floxed Network. In den Antworten wurden zahlreiche
psychiatrische Wirkungen geschildert, einschließlich Angststörungen (72%), Depression (62%), Insomnie
(48%), Panikattacken (37%), kognitive Störungen (33%), Depersonalisation und/oder Derealisation (29%),
suizidale Gedanken (24%), Psychose und/oder Halluzinationen (22%), Albträume und/oder abnormale
Träume (21%) und Gedächtnisstörungen (21%)... In einem 2013 veröffentlichten Pharmakovigilanzbericht der
FDA wurde empfohlen, die Warnhinweise der Fachinformationen zu Fluorchinolonen hinsichtlich möglicher
irreversibler neurologischer Schäden anzupassen, die sich schnell entwickeln und nach Absetzen des
Arzneimittels persistieren können.
https://rxisk.org/wp-content/uploads/20 ... O16_02.pdf
FALLBERICHTE

ALBTRÄUME und SCHLAFSTÖRUNGEN
1) Ciprofloxacin-induzierte Albträume bei einem erwachsenen Patienten.
Eine 24-jährige Patientin und Ärztin behandelte sich nach einer diagnostizierten schweren Gastroenteritis
selbst mit zweimal täglich 500 mg Ciprofloxacin für 5 Tage. Zwei Tage später berichtete sie über Albträume,
die sich an 4 aufeinanderfolgenden Tagen ereigneten. Bei der Anamnese erinnerte sie sich an zwei der
Albträume. In einem sah sie eine ihr völlig unbekannte Dame, die, nachdem sie zwei Mädchen in ihr Haus rief,
diese brutal angriff und niedermetzelte, indem sie deren Kehlen mit einem Messer durchtrennte und sie bei
lebendigem Leib kreuzigte. Im zweiten Traum befand sie sich in einem verfallenen Geisterhaus, wo sich
seltsame und übernatürliche Phänomene ereigneten. Jedesmal wachte sie mit Schweißausbrüchen,
Palpitationen, Furcht, Ängstlichkeit und Nervosität auf. Sie war reizbar und erlebte während der Therapie
Stimmungsschwankungen. Die Träume bildeten sich einen Tag nach Einnahmeende spontan zurück...
Fluorchinolone wurden wegen ihres schweren Nebenwirkungsprofils immer kontrovers beurteilt...
Permanente neurologische, visuelle und muskuloskelettale Schädigungen wurden bei vielen Patienten nach
Einnahme dieser spezifischen Antibiotikagruppe beobachtet, und die meisten Betroffenen wissen nicht, dass
ihre Erkrankung auf die Chinolontoxizität zurückzuführen ist... Die zentralnervösen Nebenwirkungen der
Fluorchinolone sind gut dokumentiert. Diese Nebenwirkungen können von milder Konfusion bis zu akuter
Psychose reichen... Die Fallgeschichten können bisweilen derart verwirrend klingen, dass Ärzte, denen es
schwerfällt zu glauben, dass es sich um eine Arzneimittelreaktion handelt, betroffene Patienten an einen
Psychiater überweisen.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2755150/
2) Levofloxacin-induzierte akute Angststörung und Insomnie.
Wir präsentieren drei Fälle von Levofloxacin-induzierter akuter Angststörung und Insomnie bei jungen
Erwachsenen... Keiner der drei Patienten nahm außer Levofloxacin einen anderen Wirkstoff ein. Laut
psychiatrischer Anamnese gab es weder bei den Patienten noch in deren Familien psychiatrische
Vorerkrankungen. Eine sechsmonatige Nachuntersuchung ergab keinen Hinweis auf Rückfälle. Wegen der
zurückliegenden schrecklichen Erfahrungen wollte keiner der Betroffenen die Levofloxacintherapie wieder
aufnehmen... Levofloxacin ist mit neuropsychiatrischen Wirkungen behaftet. Einige dieser Nebenwirkungen
wie z. B. Insomnie und Angststörungen werden oft nicht dokumentiert. Mit unserer Präsentation der oben
genannten Fälle möchten wir auf folgende Punkte aufmerksam machen: 1. Allgemeinärzte and Psychiater
sollten die neuropsychiatrischen Nebenwirkungen von Levofloxacin bedenken. Obwohl neuropsychiatrische
Nebenwirkungen der Fluorchinolone häufiger bei Älteren auftreten, können auch jüngere Patienten betroffen
sein. 2. Das rechtzeitige Absetzen des Arzneimittels kann das Fortschreiten einer unspezifischen
Angststörung und Insomnie zu schweren psychiatrischen Störungen wie z. B. Psychose verhindern. 3. Obwohl
auftretende neuropsychiatrische Wirkungen von Herstellern in veröffentlichten Fachinformationen als selten
bezeichnet werden, deuten diese Fallserie und andere in der Literatur beschriebene Fälle darauf hin, dass
neuropsychiatrische Wirkungen relevant sind und systematischerer Prävalenzstudien bedürfen...
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3410005/
3) Kommentar zu „Levofloxacin-induzierte akute Angststörung und Insomnie“.
Fluorchinolone, welche eine häufig verordnete Antibiotikaklasse darstellen, haben potentiell schwerwiegende
neuropsychiatrische Nebenwirkungen und beeinträchtigen die Regeneration von Ligamenten und
Sehnenstrukturen. Diese Nebenwirkungen können bei jüngeren und älteren Patienten auftreten und sollten
bei der Behandlung neurologischer, psychiatrischer und neurochirurgischer Patienten bedacht werden.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3410006/

DELIRIUM
1) Levofloxacin-induziertes Delirium mit Anzeichen einer Psychose.
Ziel dieser Studie ist es, das Bewusstsein für eine seltene aber schwerwiegende Nebenwirkung eines häufig
verordneten Arzneimittels zu schaffen... Wir beschreiben ein Levofloxacin-induziertes Delirium mit Anzeichen
einer Psychose bei einer relativ jungen und ansonsten gesunden Patientin.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18585545
2) Fluorchinolone – eine unterschätzte Ursache des Deliriums.
Das postoperative Delirium ist eine multifaktorielle Entität, welche mit signifikanten postoperativen
Komplikationen verbunden ist. Zu den Arzneimitteln, die eine postoperative kognitive Dysfunktion
verursachen können, zählen auch die Fluorchinolone. Trotz gut dokumentierter Wirkungen der
Fluorchinolone auf das zentrale Nervensystem werden diese selten als ursächliche Substanzen verdächtigt.
Wir berichten über den Fall eines postoperativen Deliriums nach Levofloxacineinnahme, welches erfolgreich
behandelt wurde.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4541197/



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