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Schorsch
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Beitragvon Schorsch » 11. Apr 2017, 15:11

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1) Ofloxacin-assoziiertes Tourette-ähnliches Syndrom.
Bei einem 71-jährigen Patienten wurde ein ungewöhnliches Syndrom beobachtet, das mit dem Beginn einer
Ofloxacintherapie einherging und sich nach Einnahmeabbruch vollständig zurückbildete. Die
bemerkenswertesten Phänomene waren Spucken und übermäßiges Fluchen; andere Zeichen waren Echolalie,
Echopraxie, orofaziale und Bewegungsautomatismen, Hypersalivation und Amnesie in bezug auf die
vorgefallene Episode. Das klinische Syndrom wies Übereinstimmungen mit dem Tourettesyndrom und einer
möglichen Frontallappenepilepsie auf.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/8835045
2) Sparfloxacin assoziiertes Tourette-ähnliches Syndrom.
Wir präsentieren den seltenen Fall einer ungewöhnlichen akuten Enzephalopathie mit Merkmalen, die auf ein
Tourettesyndrom hindeuten. Dies ist erst der zweite Fallbericht über ein Chinolon-assoziiertes Touretteähnliches
Syndrom. Über diesen Fall wird aufgrund seiner Rarität und der Möglichkeit eines neurotoxischen
Klasseneffekts berichtet.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5034196/
3) Unerwartete, schwere zentralnervöse Toxizität unter Ofloxacin: Zwei Fallberichte.
Ein 75-jähriger Patient, der wegen Prostatismus in unserer Klinik behandelt wurde, entwickelte am Morgen
des ersten postoperativen Tages eine kaum wahrnehmbare Verwirrtheit. Allerdings ereignete sich am Abend
desselben Tages ein akutes klinisches Syndrom mit Desorientierung, Echolalie, Echopraxie, Fluchen,
Hypersalivation, Schluckstörungen, Zahnradphänomen, Bewusstseinstrübung, intensiven Spasmen der
Streckmuskeln und hyperirritativen Antworten auf vokale Stimulation... Am zweiten postoperativen Tag erlitt
er einen totalen Bewusstseinsverlust. Das rasche Absinken seiner Blutgase hätte beinahe eine Intubation
erfordert. Nach Absetzen von Ofloxacin, welches seit dem Morgen des operativen Eingriffs bei einer Dosis
von 400 mg pro Tag verabreicht wurde, trat eine rasche Besserung seines Zustands ein. Innerhalb der ersten
24 Stunden nach Absetzen von Ofloxacin erlangte er das Bewusstsein zurück. Innerhalb von 48 Stunden
erreichte er einen Normalzustand und konnte ohne Folgewirkungen am 5. postoperativen Tag entlassen
werden... Eine 50-jährige Patientin wurde wegen einer akuten Pyelonephritis in unserer Klinik hospitalisiert. Es
gab keine Auffälligkeiten in der Vorgeschichte; sie wurde mit iv Ofloxacin (400 mg/Tag) und
Supportivtherapie behandelt. Am dritten Behandlungstag entwickelte sie kurz vor der geplanten Entlassung
dieselben Symptome wie der o. g. Patient, aber die Psychose, Desorientierung und Halluzination waren
wesentlich stärker ausgeprägt... Ihr Zustand besserte sich nach Absetzen von Ofloxacin; an die Ereignisse der
letzten 24 Stunden konnte sie sich nicht erinnern. Nach einem weiteren Tag unter Beobachtung wurde sie
ohne Folgewirkungen entlassen... Unsere Patienten entwickelten innerhalb von 24-48 Stunden nach der
ersten Dosis Ofloxacin ein schweres akutes Syndrom...
https://link.springer.com/article/10.10 ... 006-0068-4 → 10.1007/s11255-006-0068-4

VORLÄUFIGE EXPERIMENTELLE DATEN
1) Ciprofloxacin: Untersuchungen zu Metabolismus und Gewebepenetration beim Menschen sowie
Einfluss auf den zentralen Stoffwechsel biogener Amine bei der Ratte.
Die strukturellen Ähnlichkeiten zu Neuroleptika und MAO-Hemmstoffen veranlaßten uns, den Einfluß der
Gyrasehemmstoffe auf die Monoaminooxidase [siehe 2)] in-vitro und in-vivo zu studieren... Die
Monoaminooxidase mit Sitz an der Außenmembran der Mitochondrien stellt ein Flavoprotein mit einer
relativen Molekülmasse um 100 kDalton dar... Schon bei den mit 15 mg/kg/d dosierten Ratten zeigte sich
eine signifikante Verminderung der Aktivität auf knapp 90% im Vergleich zur Kontrollgruppe. Bei den Tieren,
die mit 45 mg Ciprofloxacin/d/kg behandelt wurden, war eine weitere signifikante Verminderung der Aktivität
auf nahezu 80% zu beobachten... Im Gegensatz zu den meisten bisher beschriebenen Studien zu den
neurotoxischen Nebenwirkungen der Gyrasehemmer konnten wir biochemische Veränderungen in-vivo
nachweisen und zwar in Konzentrationen, die in der Therapie erreicht werden (15 mg/kg/d entspricht
ungefähr einer Tagesdosis von 2x500 mg)...
(Quelle: Raasch, W., Dissertation, Regensburg 1990, S. 107.)
2) Zusammenhang zwischen der Lautstärkeabhängigkeit akustisch evozierter Potentiale und dem 5-
HTTLPR.
Der Abbau von 5-HT (Serotonin) erfolgt hauptsächlich durch das mitochondriale Enzym Monoaminoxidase-
Typ A (MAO-A) zu 5-Hydroxyindolacetaldehyd, welches durch eine Aldehyddehydrogenase zu 5-
Hydroxyindolessigsäure (5-HIAA) metabolisiert wird...
http://www.diss.fuberlin.
de/diss/servlets/MCRFileNodeServlet/FUDISS_derivate_000000003260/1_Kapitel1.pdf.pdf?hosts
3) Ciprofloxacin-induzierte Neurotoxizität: Evaluation möglicher zugrundeliegender Mechanismen.
Depressionsähnliche und ängstliche Verhaltensweisen wurden nur in der Gruppe beobachtet, die 50 mg
Ciprofloxacin pro kg erhielt und bei der es parallel zu einer Abnahme der Serotonin- und GABA-Werte im
Gehirn kam. Zudem zeigten Hirnhomogenate der Ciprofloxacin-Gruppen gegenüber den Kontrollen erhöhte
Malondialdehydwerte und eine verminderte Glutathion- und Katalaseaktivität, was auf erhöhten Stress und
geschwächte antioxidative Abwehrsysteme hindeutete. Schlußfolgernd verursachte die wiederholte Gabe
pharmakologischer Ciprofloxacindosierungen neurotoxische Wirkungen.
https://www.researchgate.net/publicatio ... ininduced_
neurotoxicity_Evaluation_of_possible_underlying_mechanisms
4) Untersuchung zur Neurotoxizität von Ciprofloxacin oder Gatifloxacin als Einzeldosis im Cortex und
Hippocampus der Ratte.
Die Beteiligung des präfrontalen Kortex an Depressionserkrankungen und die bereits dokumentierte
Verbindung zwischen erniedrigten Serotoninwerten im präfrontalen Kortex und Depressionszeichen stimmt
mit den in unserer Studie festgestellten Werten überein.
https://www.researchgate.net/publicatio ... xcin_or_Ga
tifloxacin_Single_Dose_in_Rat_Cortex_and_Hippocampus
5) Evaluation der Wirkungen von Ciprofloxacin oder Gatifloxacin auf Neurotransmitterspiegel im
Cortex und Hippocampus de Ratte.
Das Ziel dieser Studie besteht in einer Untersuchung der mögliche Rolle von Neurotransmittern bei
zentralnervösen Nebenwirkungen durch Verabreichung von Ciprofloxacin (80 mg/kg KG) und Gatifloxacin (32
mg/kg KG) an männliche Albinoratten für 3, 7 und 14 Tage... Bei den histopathologischen Untersuchungen
zeigte sich ein schwerer Blutandrang mit perivaskulären Ödemen in Blutgefäßen und Kapillaren der
Großhirnrinde und des Hippocampus... Im Vergleich mit den Kontrollen verursachte Ciprofloxacin im frontalen
Cortex nach dem 3. und 7. Behandlungstag eine signifikante Abnahme, nach dem 14. Behandlungstag jedoch
eine signifikante Erhöhung der Serotoninwerte... Im Vergleich mit den Kontrollen verursachte Ciprofloxacin im
Hippocampus eine signifikante Abnahme der Serotoninwerte am 7. und 14. Behandlungstag... Unsere Studie
zeigt, dass Ciprofloxacin und Gatifloxacin in den exponierten Gruppen eine signifikante dosisabhängige
Abnahme der GABA-Werte verursachten. GABA gewährleistet als inhibitorischer Neurotransmitter in der
Großhirnrinde einen inhibitorischen Tonus, der einer neuronalen Übererregung entgegenwirkt. Ist diese
Balance gestört, können Krampfanfälle auftreten... Bidziski et al. (1998) schlußfolgerten, dass es auf
Verhaltens- und biochemischer Ebene eine funktionale Interaktion zwischen Hirn-Serotonin und dem GABAergen
System gibt...
https://www.researchgate.net/publicatio ... atifloxaci
n_on_neurotransmitters_levels_in_rat_cortex_and_hippocampus



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