"Ein gesunder Geist in einem gesunden Körper"

Glühwürmchen
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"Ein gesunder Geist in einem gesunden Körper"

Beitragvon Glühwürmchen » 2. Mai 2017, 11:00

Seit ich gefloxt bin, ärgere ich mich über diesen Spruch:"...ein gesunder Geist in einem gesunden Körper...". Oft wurde von Freunden und Bekannten daraus gefolgert: Da ich vielfältige körperliche Symptome habe, muss auch mein Geist krank sein, denn nur in einem gesunden Körper kann ein gesunder Geist sein!
Leider kannten sie nur die verkürzte Version dieses Zitats. Ich habe dazu folgendes im Internet gefunden:

http://www.was-sagt-man-dazu.de/ammenmaerchen/186/Mens-sana-in-corpore-sano-bedeutet-soviel-wie:-Ein-gesunder-Koerper-ist-die-Voraussetzung-fuer-einen.html
"Mens sana in corpore sano"
Diese bis vor wenigen Jahrzehnten als Inschrift in vielen gymnasialen Turnhallen hängenden Worte gehören wohl zu den am meisten missverstandenen klassischen Zitaten. Sie sind nämlich aus dem Zusammenhang gerissen und stellen sogar nur die zweite Hälfte eines vollständigen Satzes dar. Der römische Dichter Juvenal (ca. 60 - 140 n. Chr.) schrieb: "Orandum est ut sit mens sana in corpore sano." ("Es wäre wünschenswert, dass in einem gesunden Körper auch ein gesunder Geist wohnen möge.") Juvenal war ein Satiriker, der gesellschaftliche Vorgänge seiner Zeit spitzzüngig aufs Korn nahm. Ähnlich wie heute gab es auch in der damaligen römischen Gesellschaft eine Art von Fitness- und Bodybuilding-Wahn. Juvenal wollte mit seinem Bonmot ausdrücken, dass bei vielen der durchtrainierten Muskelmänner die geistigen Fähigkeiten nicht mit den körperlichen Kräften Schritt halten können... Und so meinte er praktisch das Gegenteil von dem, was die zusammenhanglose Verkürzung des Satzes nahelegt. Der preußisch-zackige Turnlehrer, der mit der Trillerpfeife in der Hand und dem Spruch "Mens sana in corpore sano" auf den Lippen seine Pennäler zu sportlichen Höchstleistungen antrieb, war sich also nicht bewusst, dass Juvenal mit seinem Aphorismus gerade Leute wie ihn auf die Schippe nehmen wollte.
Quelle: Walter Krämer / Götz Trenkler: Lexikon der populären Irrtümer, Frankfurt 1996



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