Langzeittherapie mit Cipro

Markus83
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Langzeittherapie mit Cipro

Beitragvon Markus83 » 7. Jun 2017, 18:36

Hallo zusammen,

bei mir wurden vor zwei Jahren Pseudomonaden im Ejakulat diagnostiziert, war aber zu diesem Zeitpunkt symptomlos (Ejakulat roch nur sehr streng). Es wurde Cipro rezeptiert, das ich aber niemals genommen habe (weil ich wusste, dass das übles Zeug ist). Über die Zeit entwickelte sich eine chron. Prostatitis, die letzte Woche in eine akute Prostatitis mündete und mir einen Krankenhausaufenthalt bescherte. Ich bekam hochdosiert ein Penicillin iv für 4 Tage und nun zur Weiterbehandlung Cipro oral. Da ich möglicherweise knapp an einer Sepsis vorbeigeschrammt bin, habe ich mich entschlossen das Cipro nun zu nehmen.

Zwei Stunden nach der ersten Tablette hatte ich ein Sehnenziehen im Oberschenkel, was ich so noch nie hatte. Nach der zweiten Tablette verspannte sich meine HWS Muskulatur sehr stark. Ich nahm die Tabletten weiter und fing an mich intensiver mit dem Thema zu beschäftigen. Mittlerweile habe ich das Cipro abgesetzt (insgesamt 3,5 Tage genommen). Es brennt jetzt akut erstmal nichts an, sodass ich mich eingehender informieren will. Cipro ist das einzige oral applizierbare AB, das bei meinem Keim hilft. Alles andere muss 2-3 mal täglich iv appliziert werden. Ich weiß beim besten Willen nicht, wie ich einen Arzt dazu bringen kann, mir eine mehrwöchige iv-Antibiose zu verschreiben, wenn orales Cipro auch wirksam ist. Wie gesagt, die Sehne zog schon nach der ersten Tablette. Hatte am Abend zuvor wegen einer Allergie aber auch hochdosiert Cortison iv. Evtl. spielt das auch mit rein. Aufgrund des chronischen Verlaufs muss ich laut Arzt mit einer mehrmonatigen Antibiose rechnen.

Ich wäre wirklich sehr dankbar, wenn ihr mir mit Rat zur Seite stehen könntet, was ich in dieser Situation tun sollte. Meine Lebensqualität ist durch die Prostatitis sehr in Mitleidenschaft gezogen. Zusätzlich habe ich aufgrund einer Spätborreliose nachgewiesene Bänderschäden, was auch ein Grund war, um die FC einen großen Bogen zu machen. Wenn ich aber nichts nehme, wird es maximal ein paar Wochen dauern, bis ich wieder hochfiebrig in der Klinik landen werde. Was also tun?

Grüße
Markus



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Re: Langzeittherapie mit Cipro

Beitragvon Schorsch » 8. Jun 2017, 17:34

Ganz einfach du machst eine amtliche Meldung der Nebenwirkungen nach der Ciprogabe über einen Arzt oder wenn die nicht wollen über eine Apotheke deiner Wahl, diese Meldung lässt du dir bescheinigen bzw. druckst du dir aus. Du solltest dich eindeutig auf die Sehnenschmerzen beziehen, da diese ja typische FC-Risiken sind und eigentlich auch Ärzte davon schon mal gehört haben sollten.

Dann gehst du zu deinem Arzt zeigst die Meldung der Nebenwirkungen und hast den Beipackzettel dabei. In diesem steht klipp und klar drinnen, das es bei Nebenwirkungen nicht anzuwenden ist. Und zwar auch kein anderes Fluorchinolon ist dann anzuwenden.

Dann muss er eine aufwendigere Therapie verschreiben. Du bist ja sozusagen allergisch gegen Fluorchinolone...
Falls du irgendwo auf einen triffst der unbedingt drauf beharrt soll er es schriftlich bestätigen wieso er Cipro / FC geben will und muss, obwohl du hier eindeutige Unverträglichkeiten aufzeigst und diese Mittel auch nach dem Stand der aktuellen Lage nicht die Mittel der ersten Wahl sind sofern Alternativen bestehen. Auch bei Prostatitis etc.

Ansonsten rufst du die Patientenhotline deiner Krankenkasse an und fragst, ob die dir helfen können.


Gruß Schorsch

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Re: Langzeittherapie mit Cipro

Beitragvon Markus83 » 8. Jun 2017, 23:13

Halllo Schorsch,

danke für die Tipps. Bisher hatte ich lediglich nach der ersten Tablette ein Ziehem im Oberschenkel bei jedem Schritt für ein paar Stunden. Das verging aber und kam auch nicht wieder. Ich hatte sowas noch nie und es trat 2 h nach der ersten Einnahme auf. An Zufall kann ich da nicht glauben. Zwar sind meine Muskelverspannungen und Kribbelparästhesien auch schlimmer geworden, jedoch habe ich die auch ganz ohne Cipro wegen einer Borreliose. Ich kann das also nicht sicher dem Cipro zuschreiben, da ich temporär immer mal schlechtere Phasen habe.

Ich schwanke jetzt zwischen nochmals ein Versuch mit Cipro unter Schutzmaßnahmen und bei eindeutigen NW sofort abbrechen oder eben gleich die Schiene mit der Meldung, wobei das zum jetzigen Zeitpunkt ehrlich gesagt zu vage ist. Zuvor will ich noch eine alternativmedizinische Behandlung probieren, wobei ich da wenig Hoffnung habe. Mal sehen wie es weitergeht. Die lange Behandlungsdauer schreckt mich sehr ab. Absolutes Minimum sind 4 Wochen Cipro.

Gruß

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Re: Langzeittherapie mit Cipro

Beitragvon Markus83 » 8. Jun 2017, 23:20

Eine Frage noch: Ist eigentlich bekannt, weshalb manche Menschen schon nach einer Tablette Cipro zum Krüppel werden, während andere das monatelang ohne Probleme schlucken können?

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Re: Langzeittherapie mit Cipro

Beitragvon Schorsch » 9. Jun 2017, 08:48

Dazu gibt es nur Thesen aber keine belastbaren Erkenntnisse. Das ist ähnlich wie bei dem Pathomechanismus der Schäden von Flox. Man weiß ziemlich genau was alles wie kaputt geht, hat da zu auch logisch schlüssige Erklärungsmodelle, kann es aber nicht eindeutig belegen.

Die These für die unterschiedliche Verträglichkeit liegt meiner Meinung nach rein am zur Einnahmezeit vorliegenden Mineralienhaushalt. Denn FC werden bekanntlich durch Magnesium und andere Mineralien stark vermindert, was die Dosiseffekte anbelangt. Heißt wenn einer der einen extremen Mag Mangel im Serum, sowie im Bindegewebe (was ja bekanntlich als Mineralstoffpuffer dient) vor Einnahme eines FC hat, wird er sicherlich wesentlich höher belastet sein was die Dosis anbelangt. Dann wirken theoretisch 500 mg Levo ggf. wie 1000 mg Levo auf einmal...Auch weiß man das ab einem gewissen Pegelwert, insbesondere was hohe Dosen anbelangt und die Kombination mit NSAR (Ibuprofen und Co). die Nebenwirkungsrisiken massiv ansteigen. Deshalb rät man in den USA im Medication Guide = BPZ von zeitgleicher Einnahme von NSAR während einer FC-Antibiose ab. Das neurotoxische Risiko ist um ein vielfaches erhöht.

Dann würde ich auch noch sagen jeder Mensch ist besonders und bringt auch eine gewisse Vorbelastung mit. Auch sportliche vermeintlich fitte Menschen können z.B. schon gewisse Pegelwerte was Fluoridbelastung haben. Dieser könnte auch eine Rolle spielen.

Es ist Stand der Wissenschaft das FC Schäden Dosisunabhängig sind. Vielleicht kommt es auch nicht bei jedem Typ Mensch zur Verwechslung von Bakterium und Zelle auch spielt bestimmt der zur Einnahme bestehende Zellschutz aufgrund von Gluthationspiegel ein Rolle, sonst würde Acetylcystein ja nichts präventiv nutzen. Das ist aber belegt per Studie daher liegt es wohl sicher an dem zur Einnahme bestehenden Mineralstoffvorrat. Je nachdem kann die Floxwirkung gepuffert oder komplett ungehindert auf Körperzellen einwirken.

Dieses Erklärungsmodell macht für mich am meisten Sinn.

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Re: Langzeittherapie mit Cipro

Beitragvon Wolfgang » 10. Jun 2017, 13:57

Hallo Markus,

aus meiner Warte heraus (seit 9 Jahren durch 5 mal 250mg Levoflox massiv und vielfältig geschädigt) behaupte ich mal, dass nahezu alles besser ist als gefloxt zu sein und der Umstand, dass ich seither Rollifahrer bin ist eins meiner kleineren Probleme.
Auch begegnet man im Laufe der Jahre vielen Mitbetroffenen, von denen hart gefloxte im Grunde alle sagen unter ALLEN Umständen kein FQ mehr einzunehmen, auch wenn es den Tod bedeuten würde.
Für mich ist das ebenfalls keine Frage, eine weitere Einnahme würde eh ziemlich sicher meinen Tod bedeuten (Lunge, Atemzentrum in meinem Fall), insofern würde ich dem Infekt den Vorzug geben, als mich letztlich ganz durch FC killen zu lassen!

Ich sage dies so deutlich, da der kummulative Effekt der Chinolonschädigung unbedingt und sehr, sehr ernst zu nehmen ist:
Meist ist es so, dass einmal auf ein Chinolon reagiert beim zweiten oder/und dritten mal erst so richtig die Bombe hochgeht.

Hast du alle eventuellen Alternativ-Antibiotics schon durchrecherchiert? Du kannst das besser als jeder Arzt, geht es ja um deine Gesundheit und vielleicht um dein ganzes weiteres Leben........?!
Gute Entscheidungen dir.......
Wolfgang

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Re: Langzeittherapie mit Cipro

Beitragvon Markus83 » 10. Jun 2017, 14:44

@Wolfgang: Es bleiben praktisch keine Alternativen. Das Problem ist, dass ich aufgrund jahrelanger Antibiosen wegen anderen Geschichten mittlerweile auf die meisten AB allergisch reagiere (bisher aber nur vermutet und nicht nachgewiesen, bin deshalb in paar Wochen in der Uniklinik). Auf Fluorchinolone reagiere ich nicht, da ich diese bisher nie genommen habe.

Ich glaube dir gerne, dass alles besser ist als gefloxt zu werden. Da das Risiko aber nicht bekannt ist, kann man keine Kosten-Nutzen-Abwägung machen. Aufgrund der Tatsache, dass FC millionenfach jedes Jahr verordnet werden, dürften so schwere Floxfälle doch recht selten sein - oder was meint ihr? Die Dunkelziffer wird aber auch immens hoch sein. Noch dazu wird das Zeug ja häufig bei einem HWI verschrieben, und da reichen 3 Tage oder so aus. Ich soll es ja monatelang nehmen, mit bereits geschädigten Bändern (im MRT sichtbar), vermutlich wegen einer Borreliose. Ich habe da sehr großes Bedenken, und werde wohl die AB, gegen die ich vermutlich allergisch bin, vorher nochmal ausprobieren (habe alle Wirkstoffe hier). Aber im Grunde ist sowas auch nicht zu verantworten und müsste in einer Klinik gemacht werden.

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Re: Langzeittherapie mit Cipro

Beitragvon Zwinge » 10. Jun 2017, 15:19

Hi Markus, "...dürften so schwere Floxfälle doch recht selten sein." Kommt darauf an wie Du "schwere Floxfälle" definierst. Hört sich etwas hochtrabend an, aber meiner Meinung nach führen alle Einnahmen von Flourchinolonen, vielleicht sogar anderer Antibiotika zu schweren Nebenwirkungen. Und schwere Nebenwirkungen sind für mich nicht nur der sofortige Sehnenriß sondern z.B. über Jahre andauernde Verdauungsprobleme ziehen weitere Schädigungen anderer Organe mit sich. Dies wird kaum ein Arzt den Fluorchinolonen zuschreiben. Und das Wissen der Ärzte und Industrie ist mangelhaft. Die Industrie macht nur das nötigste zur Zulassung. Im Gegenteil. Die Nebenwirkungen werden im Beipackzettel verharmlost. Selbst die im Beipackzettel ausgewiesene Nebenwirkungshäufigkeit ist nachgewiesenermaßen deutlich zu niedrig. Und "rote Hand Briefe" bekommt der normale Patient nicht zugeschickt. Grüsse Zwinge

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Re: Langzeittherapie mit Cipro

Beitragvon Wolfgang » 10. Jun 2017, 17:59

Hi Markus,

du schreibst von einer iv-Antibiose, weiß ja nichts vom entsprechenden Wirkstoff, aber ist da dann doch noch eine Alternative offen?
Da du bereits mit entsprechenden Schmerzen am Bewegungsapparat reagiert hast ist die weitere Einnahme von FC ABOLUT KONTRAINDIZIERT, genau genommen darf dier ein Weißkittel kein Chinolon mehr verordnen, zumindest aber ist dies ein klares Argument für eine etwaig aufwändige andere Therapie als orales Chinolon.

War vor 9 Jahren in ähnlicher Situation (Prostatitis) und haderte echt lange mit der Einnahme von Levoflox, weil ich Angst vor etwaigen Hörstörungen hatte......die UAW bezüglich der Sehnen und Co. nahm ich nicht ernst, da ich hiermit niemals auch nur tendenziell irgendein Problem hatte, auch nicht nach stundenlangen joggen auf Asphalt etc.
Will sagen, dass man weder eine Vorschädigung noch Disposition für Schadwirkungen zu haben braucht und dass die Palette der UAW nicht zuletzt wegen der extremen Penetrationseigenschaften nahezu unendlich ist. Die Geschichten hier sind keine solchen, sondern alle real und für die Betroffenen knüppelhärter als sie sich lesen!

Nochmal zum kummulativen Effekt:
Du reagiertest mit UAW hinsichtlich des Bewegungsapparates auf flox, lies bitte hierzu nochmals die Packungsbeilage der absoluten Kontraindikationen!
flox fand bei dir schon einmal offene Türen vor

Ich lass dich nun in Ruhe damit, alles Gute für dich!
VG
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Re: Langzeittherapie mit Cipro

Beitragvon Markus83 » 10. Jun 2017, 20:39

Schorsch hat geschrieben:Ganz einfach du machst eine amtliche Meldung der Nebenwirkungen nach der Ciprogabe über einen Arzt oder wenn die nicht wollen über eine Apotheke deiner Wahl, diese Meldung lässt du dir bescheinigen bzw. druckst du dir aus.


Wie ich gesehen habe kann man auch selbst Online die NW melden. Ob das über den Arzt geht, ist fraglich. Es wurde mir ja im KH verordnet und die Tabletten mitgegeben. Ich glaube ich gehe lieber zu einer mir bekannten pharmakritischen Apothekerin hier vor Ort oder melde es selbst. Besser bzw. "anerkannter" wäre sicher, man hat eine Apotheke im Hintergrund oder einen Arzt.

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Re: Langzeittherapie mit Cipro

Beitragvon Zwinge » 10. Jun 2017, 20:59

Hi Markus, es gab doch im Krankenhaus einen Arzt, der das Cipro verordnet hat. Mindestens einer hat doch die Papiere unterschrieben. Den würde ich die Nebenwirkungen melden lassen. Ich habe es auch noch nicht gemacht, obwohl oder gerade weil es so lange her ist. Bei der Ärztin, die mir das Cipro verschrieben hat bin ich schon lange nicht mehr. Aber damit so viele wie möglich gemeldet werden, sollte ich mich mal aufraffen. Auf die Reaktion bin ich schon gespannt. Grüsse Zwinge

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Re: Langzeittherapie mit Cipro

Beitragvon Schaf » 11. Jun 2017, 09:10

Hallo Markus,
du kannst Nebenwirkungen selbst melden, aber dann wird dir ein Wisch zugeschickt, den der Arzt ausfüllen soll.
Viele Grüße
Schaf


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