Empfehlung der Vorgehensweise beim auftreten von Nebenwirkungen

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Schorsch
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Empfehlung der Vorgehensweise beim auftreten von Nebenwirkungen

Beitragvon Schorsch » 28. Okt 2016, 13:35

Wir empfehlen nach Auftreten von Nebenwirkungen nach Einnahme eines Fluorchinolone folgende Vorgehensweise:

1) Sofort einen Arzt aufsuchen, sobald Nebenwirkungen wie Taubheitsgefühle, Kribbeln, Zittern, Brennen, Muskel- / Sehnenschmerzen, Ohrgeräusche etc. auftreten

Am Besten den Arzt, der das Fluorchinolone verschrieben hat, SOFORT nach dem Auftreten der Nebenwirkungen darüber informieren und auch darüber, dass das Antibiotikum nach aktuellem Wissensstand dauerhafte Nerven-, Sehnen-, Gelenk- und Muskelschäden hervorrufen kann und laut Beipackzettel beim Auftreten von Nebenwirkungen sofort abgesetzt werden sollte. Beipackzettel in die Praxis mitnehmen. Der Arzt kann ein Antibiotikum einer anderen Wirkstoffklasse verschreiben, falls das Fluorchinolone vorzeitig abgesetzt werden musste, damit die bakterielle Infektion vollständig ausheilen kann.

Da viele Ärzte erfahrungsgemäß nichts oder wenig über mögliche Nebenwirkungen von Fluorchinolonen wissen, kann es für den Patienten hilfreich sein, manche Fachinfos vor dem Termin auszudrucken und dem Arzt zu zeigen, z.B. die folgende FDA Warnung auf der Seite der Arzneimittelkommission deutscher Ärzteschaft.

http://www.akdae.de/Arzneimittelsicherh ... 16-26.html


Fluorchinolone wurden wegen ihrer schweren Nebenwirkungen [1, 2] [und ihres hohen Resistenzpotentials] als Reserve-Antibiotika eingeordnet, d.h. der Arzt sollte es erst verordnen, wenn andere besser verträgliche Antibiotika (First-Line) nicht angeschlagen haben oder nicht in Frage kommen (Allergien, Resistenzen).

Weitere Studien und Fachartikel über Nebenwirkungen von Fluorchinolonen finden Sie auf der Infoseite “Fachartikel/Studien/Behörden-Warnungen”.

2) Evtl. Fachärzte aufsuchen (eine Überweisung vom Hausarzt ist nicht notwendig. Stand 2016. Bitte erfragen Sie die Facharztpraxis vor dem Termin!):

*Neurologe bei Neuropathie (Nervenbeschwerden: z.B. Schmerzen, Kribbeln, Taubheitsgefühle, Brennen)

*Psychiater bei Angststörung, Depression, kognitiven Störungen

*Orthopäde und/oder Rheumatologen bei Muskel-/Sehnen-/Gelenkproblemen

“Die Diagnose der Tendinitis bzw. Sehnenruptur kann mittels Ultraschall oder Kernspintomographie [auch MRT, Magnetresonanztomographie, genannt] gestellt werden.”

Quelle: Dissertation Einfluss von Ciprofloxacin und verschiedenen Hämofiltrat Fraktionen von Patienten mit chronischer Nierenerkrankung auf Tenozyten des Menschen in vitro, Askar


http://edoc.rki.de/documents/dissertati ... /askar.pdf

Vom Hausarzt (z.B.) Blutwerte wie CRP, Leberwerte, Nierenwerte, großes Blutbild anfertigen lassen.

3) Kopie aller Befunde aushändigen lassen (Patientenrecht in Deutschland! Der Arzt darf lediglich eine geringe Gebühr verlangen) und in einem Ordner aufbewahren.

4) Krankenkasse über die Nebenwirkungen schriftlich informieren (am Besten per Brief per Einschreiben mit Rückschein - Emails archivieren!) und um ein MDK-Gutachten zur Prüfung eines Behandlungsfehlers bitten. Sehr oft erfolgen Verordnungen von Fluorchinolonen medizinisch nicht indiziert oder ohne entsprechende Risikoaufklärung des Patienten. In diesem Fall liegt eine Sorgfaltspflichtverletzung des Arztes vor und dieser ist für etwaig resultierende Schäden ggf. haftbar zu machen. Dies sollte zeitnahe mit dem Auftreten der Nebenwirkungen geschehen.

5) Bei starken Beschwerden sollte ein Arzt den Patienten krankschreiben, dabei kann er auch direkt eine Meldung der Nebenwirkungen an die Behörde machen. Die Krankschreibung sollte umgehend dem Arbeitgeber überreicht werden. Der Zettel der Krankmeldung des Patienten sollte archivierte werden. Es sollte darauf geachtet werden, das in der Diagnosebeschreibung erkennbar ist das eine Medikamentenunverträglichkeit bzw. um eine Nebenwirkung durch ein Medikament handelt.

6) BfArM über die Nebenwirkungen informieren (zeitnahe nach dem Auftreten der Nebenwirkungen). Diese Meldung kann auch online über den UAW Bogen vorgenommen werden. Dabei unbedingt den Namen des Herstellers und Chargennummer melden. Jede Meldung von Patienten wird registriert und veröffentlicht! Bei schwereren Symptomen das BfArM bitte telefonisch oder schriftlich über den Verlauf der Symptome immer wieder informieren. Hierbei ist auch Punkt 7. zu beachten ! Eine Meldung sollte unbedingt in jedem Fall erfolgen.

Link zum Meldeformular:
http://www.bfarm.de/DE/Arzneimittel/Pha ... _node.html

7) Den Arzt, der das Fluorchinolone verschrieben hat oder der die Nebenwirkungen festgestellt hat, über seine Meldepflicht bei der Arzneimittelkommission deutscher Ärzteschaft informieren. Es besteht auch eine Meldepflicht für den Apotheker bei der Arzneimittelkommission der deutschen Apotheker. Sollte der Arzt die Nebenwirkungen trotz eindeutiger Sachlage abstreiten kann die Meldung wie unter 6. auch eigenständig online per UAW Meldung getätigt werden.

8) Packung und Beipackzettel aufbewahren. Tag des Einkaufs notieren. Tage, an denen das Antibiotikum genommen wurde, notieren. Dosierung notieren (z.B. Ciprofloxacin, AL, 2 x 500 mg, 3 Tage, 20-21-23. Juli 2016)

9) Tagebuch über den Verlauf der Symptome führen. Nebenwirkungsverlauf von Hausarzt schriftlich bestätigen lassen per Attest.

10) Alle Notizen, Kopien von Arztbriefen, Befunde in einem Ordner aufbewahren, ebenfalls Kopien vom Schriftverkehr mit Ärzten, Behörden (BfArM, Krankenkasse, Rentenkasse), Arbeitgeber, usw.

11) Über einen Arzt / dieses Forum / Internet / andere Netzwerke umfassend und objektiv zu dem Thema informieren und je nach Symptomatik auch mögliche Therapieempfehlungen probieren und anwenden. Leider gibt es keine konkrete medizinische Therapieform für Fluorchinolon induzierte Schäden. Erfahrungsgemäß ist die Schulmedizin hier daher oft weniger hilfreich. Nicht verzweifeln es gibt Hilfegruppen / Foren und Langzeitgeschädigte, die gerne sehr hilfreiche Tipps geben können und eine menge Erfahrung haben.

Aus Sicht vieler Betroffener ist es sinnvoll, zumindest in der ersten Zeit auf unnötige Medikamente, insbesondere auf Schmerzmittel und Entzündungshemmer etc. zu verzichten. Da es erfahrungsgemäß oft zu deutlichen Rückschüben der Symptome kommen kann. Die Fluorchinolon Nebenwirkungen resultieren aus gestörten Stoffwechselprozessen, daher sollte hier möglichst entlastend therapiert werden.


Bitte beachten Sie unseren Haftungsausschluß!


[1] “Levofloxacin: Indikations­einschränkungen wegen schwerer Nebenwirkungen” http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/51523


[2] “FDA Drug Safety Communication: FDA advises restricting fluoroquinolone antibiotic use for certain uncomplicated infections; warns about disabling side effects that can occur together“ http://www.fda.gov/Drugs/DrugSafety/ucm500143.htm



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