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Wie schädigen Fluorchinolone den Körper ?

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Schorsch
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Wie schädigen Fluorchinolone den Körper ?

Beitragvon Schorsch » 3. Nov 2016, 19:16

Wie schädigen Fluorchinolone Körpergewebe ?

A) Tendopatien durch Fluorchinolone

1) Chelation mit Magnesiumionen und Schädigung durch freie Radikale

Auszüge aus der Dissertation “Einfluss von Ciprofloxacin und verschiedenen Hämofiltrat-Fraktionen vom Patienten mit chronischer Nierenerkrankung auf Tenozyten des Menschen in vitro”, Askar


http://edoc.rki.de/documents/dissertati ... /askar.pdf

“Der Reduktion von frei im Gewebe verfügbarem Magnesium unter einen kritischen Schwellenwert, wie er auch durch Chinolon hervorgerufen werden kann, wird eine wichtige Rolle im Pathomechanismus der Chinolon-induzierten Tendopathie zugesprochen.

Es wird vermutet, dass die Reduktion frei verfügbarer Magnesiumionen zu einer vermehrten Bildung von freien Radikalen führt, welche wichtige Proteinstrukturen der Matrix oxidativ schädigen können (Rock et al., 1995, Simonin et al.,1999, Shakibaei et al., 2000).“


Der Einfluss eines durch Chinolone bewirkten Magnesiummangels wurde in unterschiedlichen Tierexperimenten simuliert und untersucht.
Stahlmann et al. stellten 1995 in einer Untersuchung an juvenilen Ratten fest, dass die durch
eine Magnesiummangeldiät hervorgerufenen Schäden am juvenilen Knorpel dem Bild der Chinolon-induzierten Arthropathie gleichen (Stahlmann et al., 1995). Shakibaei et al. Untersuchten 2000 elektronenmikroskopisch ultrastrukturelle Veränderungen an Achillessehnen von Ratten, die mit Ofloxacin behandelt wurden (Shakibaei et al., 2000). Ein Teil der Versuchstiere erhielt zudem nur magnesiumarmes Futter. Hierbei zeigten sich konzentrations-und zeitabhängige Veränderungen an den Sehnenzellen in Form einer auffälligen Vakuolenbildung im Zytoplasma und einer Schwellung der Zellorganellen, insbesondere des rauen endoplasmatischen Retikulums. Auffällig war, dass die magnesiumarme Diät die Effekte an den Tenozyten noch verstärkte. In diesem Zusammenhang gewinnen die schlechte Vaskularisation und die bradytrophe Stoffwechsellage der Sehnen noch an Bedeutung. Die Unfähigkeit des Sehnengewebes, Elektrolytschwankungen schnell wieder ausgleichen zu können, begünstigt die tendotoxischen Effekte.


In einer weiteren Untersuchung wurden juvenile Hunde mit Ciprofloxacin in unterschiedlichen Dosierungen über 5 Tage behandelt. Eine zweite Versuchsgruppe erhielt zum Vergleich nur eine magnesiumarme Diät. Auch in dieser Untersuchung ähnelten sich die Effekte nach Chinolon-Gabe und nach magnesiumarmer Diät.
Chinolone und Magnesiumreduktion scheinen demnach eine ähnliche Wirkung auf Sehnen
zu haben (Stahlmann et al., 2000a, Shakibaei et al., 2001a).”

“Einige Autoren machen den bei chronischer Nierenerkrankung, insbesondere im dialysepflichtigen Endstadium häufig vorliegenden sekundären Hyperparathyroidismus verantwortlich, welcher selbst zu spontanen Sehnenruptur führen kann (Jones and Kjellstrand, 1996, Palmer et al., 2004).
Vermutlich ist dieser tendotoxische Effekt darauf zurückzuführen, dass ein erhöhter Parathormonspiegel im Serum sekundär zu einem Magnesiummangel führen kann.“

2) Gewebeschädigung durch Aktivitätszunahme von MMP (Metalloproteinasen)

“Die biochemische Untersuchung ergab bei den Chinolon-behandelten Hunden zum einen eine konzentrationsabhängige Reduktion des Hauptmatrixproteins Collagen Typ I. Diese kann als Ausdruck einer reduzierten Zellsyntheseleistung verstanden werden.“


„Sendzik et al. untersuchten 2005 den Einfluss der Matrixmetalloproteinasen (MMPs). Als
System sich gegenseitig aktivierender und inhibierender Enzyme sorgen die MMPs durch
gezielten Abbau von EZM u.a. dafür, die Funktion der Sehne optimal an ihre Funktion der
Kraftübertragung zwischen Muskel und Knochen anzupassen.


Sendzik und Mitarbeiter behandelten in vitro humane Tenozyten mit Ciprofloxacin. Dabei konnte biochemisch bereits bei einer Konzentration von 10 mg Ciprofloxacin pro Liter Medium nach 48 Stunden ein Anstieg von MMP-1 und MMP-13 festgestellt werden (Sendziket al., 2005). Eine Aktivitätszunahme der Collagenasen MMP-1 und MMP-13 führt zur Destruktion der extrazellulären Matrix und daraus folgend zur Gewebeschädigung. Ein weiterer Ansatz in der Untersuchung des Pathomechanismus der Chinolon-induzierten Sehnenschädigung scheint demzufolge in einer Induktion von Matrixmetalloproteinasen durch Chinolone zu liegen.“


„Als seltene und unter antibakteriellen Substanzen ungewöhnliche Nebenwirkung können Chinolone jedoch Schäden am juvenilen Gelenkknorpel in Form von Chinolon-induzierten
Arthropathien, sowie an Sehnen in Form von Chinolon-induzierten Tendopathien hervorrufen. Das sehnenschädigende Potential der Chinolone ist seit Anfang der Achtziger Jahre in zahlreichen Fallberichten und einigen retrospektiven Studien dokumentiert worden (Sendzik et al., 2009a). „


Quelle: Dissertation Einfluss von Ciprofloxacin und verschiedenen HämofiltratFraktionen vom Patienten mit chronischer Nierenerkrankung auf Tenozyten des Menschen in vitro, Askar


http://edoc.rki.de/documents/dissertati ... /askar.pdf

3) Mitochondriale DNA Schädigung durch oxydativen Stress

Antibiotika: Langzeitschäden durch oxidative Schädigung von Mitochondrien
Ärzteblatt, Freitag, 5. Juli 2013

“Bereits nach vier Tagen kam es jedoch zu Funktionsstörungen der Mitochondrien. In den Organellen wurden dann vermehrt Sauerstoffradikale freigesetzt, die die gesamte Zelle schädigen: Bei DNA, Proteinen und Lipiden ließen sich die Folgen eines vermehrten oxidativen Stresses nachweisen. Bei Mäusen kam es unter der Behandlung mit den gleichen Antibiotika zu einem Abfall der Glutathion-Konzentrationen.
Glutathion ist ein körpereigenes Antioxidans, das freie Sauerstoffradikale abfängt. Ein Abfall des Glutathionspiegels zeigt einen vermehrten Verbrauch des Antioxidans an. Wenn die Vorräte erschöpft sind, sind die Zellen den Sauerstoffradikalen ungeschützt ausgeliefert.

Ärzte sollten aber die Ergebnisse dieser Studien abwarten, bevor sie Acetylcystein zusammen mit Antibiotika einsetzen. Für einige Antibiotika ist eine abschwächende Wirkung bei gleichzeitiger Gabe von Acetylcystein beschrieben.”

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/55068

Bactericidal Antibiotics Induce Mitochondrial Dysfunction and Oxidative Damage in Mammalian Cells
Sameer Kalghatgi,#1 Catherine S. Spina,#1,2,3 James C. Costello,1 Marc Liesa,3 J Ruben Morones-Ramirez,1 Shimyn Slomovic,1 Anthony Molina,3,4 Orian S. Shirihai,3 and James J. Collins

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3760005/


In Vitro Discrimination of Fluoroquinolones Toxicity on Tendon Cells: Involvement of Oxidative Stress

http://jpet.aspetjournals.org/content/3 ... l.pdf+html



Bei Ratten verursacht Ciprofloxacin oxydativen Stress in der Leber und im Gehirn nach einzelnen und wiederholten Gaben:

Drug Chem Toxicol. 2004 Aug;27(3):233-42.
Ciprofloxacin-induced glutathione redox status alterations in rat tissues.
Gürbay A1, Hincal F

“Following both routes of administration of CPFX, the total glutathione content of the liver, but not of brain decreased significantly. The oxidized glutathione (GSSG) in the brain increased after single or repeated dose treatments, but only with repeated doses of CPFX in the liver. CPFX induced dose-dependent alterations in the glutathione redox status in both tissues. With single doses the effect was more pronounced in cerebral tissue, and with repeated ig doses it was significant in both tissues. Pretreatment of rats with vitamin E or allopurinol before the administration of CPFX provided marked protection against glutathione redox status alterations in both tissues. Our results, thus, indicate that CPFX treatment introduces an oxidative stress in cerebral and hepatic tissues of rat.”

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15478945

Ciprofloxacin verursachen DNA Schäden bei Tier-und Humanzellen:


Delayed cytotoxicity and cleavage of mitochondrial DNA in ciprofloxacin-treated mammalian cells.


Lawrence JW1, Claire DC, Weissig V, Rowe TC.

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/8913349

Neurotoxicology. 2006 Jan;27(1):6-10. Epub 2005 Aug 24.
Ciprofloxacin-induced DNA damage in primary culture of rat astrocytes and protection by Vitamin E.
Gürbay A1, Gonthier B, Signorini-Allibe N, Barret L, Favier A, Hincal F.



spacerat
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Re: Wie schädigen Fluorchinolone den Körper ?

Beitragvon spacerat » 1. Feb 2017, 22:15

Herz / Sehnenfäden der Mitralklappe (https://de.wikipedia.org/wiki/Chordae_tendineae). Werden die Myofibroblasten durch FQs/5-FT gehemmt, lässt die Festigkeit der Sehnenfäden nach. Die Mitralklappe schließt dann nicht mehr richtig und das Blut fließt aus dem linken Ventrikel ins Atrium zurück. Das kann mittelfristig zum Mitralklappenprolaps (https://de.wikipedia.org/wiki/Mitralkla ... aps#Formen) und zur Mitralinsuffizienz (https://de.wikipedia.org/wiki/Mitralkla ... z#Ursachen) führen.

Studien zur Schädigung des kollagenen Bindegewebes des Herzens durch FQs gibt es leider noch nicht. Eine indirekte Vorlage liefern jüngere Studienergebnisse, die eine FQ-induzierte Aortendissektion mit Schädigungen der Kollagensynthese in Verbindung bringen. Da jedoch Arrhythmien strukturellen Herzmuskelschädigungen vorausgehen können, verweise ich auf folgende Studie:

https://www.researchgate.net/publicatio ... ased_Study

Kollagen:

einige Studien belegen, dass Cipro Typ I reduziert (http://edoc.rki.de/documents/dissertati ... askar.pdf; http://bmjopen.bmj.com/content/5/11/e010077; https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20602464; http://journals.sagepub.com/doi/full/10 ... 9816633671), eine Studie belegt, dass Cipro Typ III aber nicht Typ I reduziert (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22021103), eine weitere Studie belegt, dass Cipro weder Typ I noch Typ III reduziert, dafür aber die Aktivität der Lysylhydroxylase einschränkt (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3838320/).

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Re: Wie schädigen Fluorchinolone den Körper ?

Beitragvon Schorsch » 3. Feb 2017, 13:37

Laut Dr. Todd R. Plumb (http://www.levaquinadversesideeffect.co ... Doctor.pdf), einem Arzt, der selbst zum Fluorchinolon-Opfer wurde, ist die Toxizität der Fluorchinolone anscheinend funktional, nicht strukturell bedingt, weil bei radiologischen Untersuchungen von Patienten mit Fluorchinolon-Toxizität normalerweise keine strukturellen Anomalitäten festzustellen sind. Basierend auf bisherigen Studien nennt Dr. Plumb vier Mechanismen, wie Fluorchinolone zu Schäden führen können:

• Hemmung oder Störung der GABA-Rezeptoren im zentralen Nervensystem
• Abbau von Magnesium und Störung der zellulären Enzymfunktion
• Störung der mitochondrialen Funktion und Energieproduktion
• Oxidative Schäden und Zelltod



Fluorchinolone werden darüber hinaus noch mit weiteren gesundheitlichen Problemen und Nebenwirkungen in Zusammenhang gebracht:

(http://query.nytimes.com/gst/fullpage.h ... janeebrody)

• Netzhautablösung, die zu Erblindung führen kann
• akutes Nierenversagen
• »Brain Fog« (kognitive Dysfunktion)
• Depression
• Krampfanfälle
• Störung von Collagensynthese und -abbau, (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2921747/) wodurch es zu Muskel-, Sehnen-, Knorpel- und/oder Bänderschäden kommen kann
• Halluzinationen und/oder psychotische Reaktionen (etwa ein Drittel der Patienten neigt zu psychiatrischen Nebenwirkungen wie Ängsten, Persönlichkeitsveränderungen oder Verwirrtheit)
• schmerzhafter Ausschlag
• Phototoxie
• Herzschäden
• Übelkeit und Durchfall
• Hörprobleme
• Störungen im Blutzuckerstoffwechsel7
• periphere Neuropathie
• akute Lebertoxizität. (http://www.cmaj.ca/content/early/2012/0 ... 3.full.pdf)



In Europa wurden schon in den 1980er-Jahren diese Nebenwirkungen von Fluorchinolonen beobachtet:

• Bei 91 Prozent der Patienten, die Fluorchinolone einnahmen, kam es zu Symptomen des Nervensystems (Schmerzen, Kribbeln und Taubheit, Schwindel, Krankheitsgefühl, Schwäche, Kopfschmerzen, Angst und Panik, Gedächtnisverlust und Psychosen).
• 73 Prozent litten unter muskuloskelettalen Symptomen (Sehnenriss, Sehnenscheidenentzündung, Schwäche und Gelenkschwellung).
• 42 Prozent litten unter Sinnesstörungen (Tinnitus, visuelle, olfaktorische und auditive Störungen).
• 36 Prozent litten unter kardiovaskulären Symptomen (Tachykardie, Kurzatmigkeit, Brustschmerzen und Herzklopfen).
• 29 Prozent litten unter Hautreaktionen (Ausschlag, Haarausfall, Schwitzen und Hitze- oder Kälteempfindlichkeit).
• 18 Prozent litten unter Magen-Darm-Symptomen (Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Bauchschmerzen).

In einem Brief an seinen Kongressabgeordneten schrieb Dr. Cohen (http://www.medicationsense.com/index.php): »Diese schwerwiegenden Reaktionen treten bei ansonsten gesunden, aktiven und jungen Patienten auf. Meistens werden die Antibiotika bei leichten Infektionskrankheiten wie Sinusitis, Harnwegs- oder Prostatainfekten verordnet. Die meisten Nebenwirkungen treten sehr schnell auf, manchmal nach ein paar wenigen Gaben der Fluorchinolon-Antibiotika. Die Nebenwirkungen sind akut, schwerwiegend, beängstigend und häufig lähmend.«


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