300 Tage...300 Mitglieder. Wir begrüßen unser 300. Mitglied!

Alternativen zu Chinolonen ? - 2016

Benutzeravatar
Schorsch
Site Admin
Site Admin
Beiträge: 438
Registriert: 7. Okt 2016, 09:36

Alternativen zu Chinolonen ? - 2016

Beitragvon Schorsch » 3. Nov 2016, 20:48

Quelle: http://www.pharmazeutische-zeitung.de/i ... p?id=65533


Alternativen zu Chinolonen ? - 2016

Von Annette Mende / Fluorchinolone sollen wegen der Gefahr schwerer Nebenwirkungen zurückhaltend eingesetzt werden, mahnte kürzlich die US-amerikanische Arzneimittelaufsicht FDA. Jetzt gibt die Behörde konkrete Empfehlungen zu Alternativen.



Im Fachjournal »JAMA« listet die FDA Anti­biotika auf, die bei akuter Sinusitis, akuter Exazerbation einer chronischen Bronchitis oder unkomplizierter Harnwegsinfektion gegeben werden sollten (DOI: 10.1001/jama.2016.8383). Zuvor war die Behörde zu der Einschätzung gelangt, dass in diesen Indikationen die Risiken der Fluorchinolone, etwa Entzündungen oder Rupturen von Sehnen, Verwirrtheit und Missempfindungen, den Nutzen überwiegen und diese Anti­biotika deshalb nur dann eingesetzt werden sollen, wenn sie alternativlos sind.

Von sehnenbelastendem Sport wie Joggen ist während und nach einer Chinolon-Therapie abzuraten.

Zu Sinusitis und Bronchitis erlaubt sich die FDA den Hinweis, dass diese Erkrankungen meistens durch Viren hervor­gerufen werden, gegen die Antibiotika bekanntlich nicht wirken. In Fällen bakterieller Genese sind die Verursacher üblicherweise Streptococcus pneumoniae, Haemophilus influenzae oder Moraxella catarrhalis. Diese sprechen auf eine Therapie mit Amoxicillin, gegebenenfalls unter Hinzunahme von Clavulansäure, an.

Als Alternative für Patienten mit Peni­cillin-Allergie nennt die FDA Doxycyclin, wobei hier steigende Resistenz­raten insbesondere bei S. pneumoniae zu beobachten seien. Insofern kämen dann doch auch die Fluorchinolone Levo­floxacin und Moxifloxacin bei Peni­cillin-Allergikern infrage. Eine Mono­therapie mit einem Makrolid oder Cotrim­oxazol (Trimethoprim/Sulfa­methoxazol) sei dagegen aufgrund steigender Resistenzen bei Pneumo­kokken nicht empfehlenswert.

Bei Patienten mit schwerer COPD komme als Erreger einer akuten Bronchitis zusätzlich Pseudomonas aeruginosa in Betracht. Dann solle eine intravenöse Therapie mit zum Beispiel Cef­epim oder Piperacillin/Tazobactam erwogen werden.

Hauptverursacher unkomplizierter Harnwegsinfekte ist Escherichia coli; andere Enterobakterien spielen nur eine Nebenrolle. Bei nicht schwangeren Frauen ist Cotrimoxazol laut FDA das Mittel der Wahl, allerdings nur solange die lokale Resistenzrate gegen diese Wirkstoffkombi unter 20 Prozent liegt. Nitrofurantoin und eine Einzel­dosis Fosfomycin sind Alternativen der ersten Wahl, Amoxicillin/Clavulansäure oder Drittgenerations- Cephalosporine wie Cefpodoxim oder Ceftibuten der zweiten Wahl. In der Schwangerschaft kommen Nitrofuran­toin, Amoxicillin oder Cephalosporine infrage, wobei Nitro­furantoin nicht im dritten Tri­menon gegeben werden darf.

Anders als in den USA ist in Deutschland der Hinweis auf mögliche schwerwiegende Nebenwirkungen der Chinolone im Beipackzettel der Präparate nicht besonders hervorgehoben. Das hatte kürzlich das ARD-Magazin »Kon­traste« bemängelt (PZ 38/2016, Seite 18). Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte wies die Kritik mit der Begründung zurück, bestimmte Nebenwirkungen hervorzuheben berge die Gefahr, dass andere wichtige Informa­tionen nicht im selben Umfang wahr­genommen werden.



Zurück zu „Pharmazeutische Zeitung online (www.pharmazeutische-zeitung.de)“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste