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Chinolon-induzierte Schäden von Bindegewebsstrukturen (Arthropathien, Tendopathien)

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Schorsch
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Chinolon-induzierte Schäden von Bindegewebsstrukturen (Arthropathien, Tendopathien)

Beitragvon Schorsch » 8. Nov 2016, 09:29

Quelle: https://kliphatox.charite.de/forschung/ ... dopathien/



Chinolon-induzierte Schäden von Bindegewebsstrukturen (Arthropathien, Tendopathien)


Arzneimittel - und Reproduktionstoxikologie


I. Arthropathien

Die antibakteriell wirksamen Chinolone induzieren Gelenkschäden bei juvenilen Tieren in relativ niedriger Dosis; Chinolone sind deshalb kontraindiziert bei Kindern und Jugendlichen sowie bei schwangeren und stillenden Frauen.

Ein begrenzter Einsatz der Präparate in der Pädiatrie wird dennoch immer wieder gefordert und ist bei einigen wohl definierten Indikationen sicherlich vertretbar (z.B. Behandlung von Infektionen durch P. aeruginosa bei Mukoviszidose-Patienten mit Ciprofloxacin).

Die bisherigen Beobachtungen beim Menschen geben keine eindeutige Antwort auf die Frage nach der Höhe des Risikos durch eine Chinolontherapie. Sicherlich bestehen Unterschiede zwischen den einzelnen Fluorchinolonen hinsichtlich des arthropathogenen Risikos bei therapeutischer Dosierung.

Die verschiedenen Chinolone unterscheiden sich vor allem durch ihr antibakterielles Spektrum; zu den wichtigsten Fluorchinolonen zählen derzeit:
Ciprofloxacin, Levofloxacin und Moxifloxacin

Wir konnten durch tierexperimentelle Studien zeigen, dass




durch die Gabe eines Magnesiummangelfutters bei juvenilen Ratten Schädigungen des Gelenkknorpels verursacht werden, die von Chinolon-verursachten Schäden nicht unterschieden werden können [Öffnet externen Link im aktuellen FensterStahlmann et al., Antimicrob. Agents Chemother. 39: 2013-2018, 1995] durch eine Magnesiumsubstitution die Schädigung des Knorpels durch Fluorchinolone bei der Ratte verhindert werden kann [Öffnet externen Link im aktuellen FensterPfister et al. 2007]
die Behandlung eines Tieres mit subtoxischen Dosierungen eines Chinolons Schäden verursacht, wenn gleichzeitig ein geringgradiger Magnesiummangel vorliegt [Öffnet externen Link im aktuellen FensterLozo et al., Antimicrob. Agents Chemother. 46: 1755-1759, 2002]
nach Gabe eines Fluorchinolons Konzentrationen im Knorpel erreicht werden, die höher sind als die entsprechenden Konzentrationen im Plasma zum gleichen Zeitpunkt [Schwabe et al., Drugs 58 (Suppl 2): 385-387, 1999; Öffnet externen Link im aktuellen FensterKastner et al., Arch Toxicol 78: 61-67, 2004]

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II. Tendopathien

In den vergangenen Jahren wurden die Mechanismen und Risikofaktoren der Chinolon-induzierten Tendopathien sowohl durch tierexperimentelle Studien auch in in vitro untersucht.

Wahrscheinlich können alle bekannten Fluorchinolone zu Schäden der Achillessehne führen, jedoch handelt es sich um eine seltene Nebenwirkung. Unter dem Aspekt der Arzneimittelsicherheit ist es von besonderer Bedeutung, dass offenbar nach der Behandlung mit einem Chinolon ein Zeitraum von mehreren Monaten vergehen kann, bis es – eventuell durch Einwirkung zusätzlicher Faktoren – zu einer Tendinitis oder Ruptur kommen kann. Es ist unter diesen Bedingungen sehr schwierig, den Kausalzusammenhang zwischen Arzneimittelexposition und Nebenwirkung eindeutig zu belegen. Angesichts dieser Tatsache kommt der systematischen Bearbeitung des Effektes in Tiermodellen eine besondere Bedeutung zu.

Wir konnten durch elektronenmikroskopische Untersuchungen in Kooperation der Arbeitsgruppe
von Öffnet externen Link im aktuellen FensterProf. Dr. M. Shakibaei (Inst. f. Anatomie, Uni München) zeigen, dass


die Sehnen juveniler Ratten empfindlicher reagieren als diejenigen von adulten Tieren,
ein gleichzeitig bestehender Magnesiummangel das Ausmaß der Schäden erhöht,
die elektronenmikroskopisch nachweisbaren Veränderungen über mehrere Monate persistieren.
undefinedShakibaei et al., Antimicrob Agents Chemother 44: 261-266, 2000;
undefined Shakibaei und Stahlmann, Arch Toxicol 77: 521-526, 2003]



Relevante Publikationen
undefinedRelevante Publikationen unserer Arbeitsgruppe zu diesem Thema finden Sie über [Öffnet externen Link im aktuellen FensterPubMed]



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