Psychotische Störungen und Suizidrisiko durch Fluorchinolone - 2016

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Psychotische Störungen und Suizidrisiko durch Fluorchinolone - 2016

#280

Beitragvon Schorsch » 14.01.2017, 19:15

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Ciproflox ... nwirkungen

„Selten sind psychotische Störungen mit Suizidtendenz.[16][17]“ Auf Pharmakovigilanz-Erhebungen der WHO beruhende Studienergebnisse legen jedoch nahe, dass Fluorchinolone mit einem signifikant erhöhten Risiko für Suizidalität und vollendeten Suizid assoziiert sind. Entsprechende Fälle nahmen seit 2008 deutlich zu und wurden am häufigsten nach der Einnahme von Ciprofloxacin beobachtet.[18] Laut Bekanntmachung der Arzneimittelkomission der deutschen Ärzteschaft ist eine hohe Dunkelziffer vollendeter Suizide nach Fluorchinolonanwendung anzunehmen.[19]

[18] J. Samyde, P. Petit, D. Hillaire-Buys, J. L. Faillie: Quinolone antibiotics and suicidal behavior: analysis of the World Health Organization’s adverse drug reactions database and discussion of potential mechanisms. In: Psychopharmacology. April 2016, doi: 10.1007/s00213-016-4300-3.

[19] Suizidalität unter der Behandlung mit 5-Fluorchinolon-Antibiotika (Aus der UAW-Datenbank). http://www.akdae.de/Arzneimittelsicherh ... 40528.html



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Re: Psychotische Störungen und Suizidrisiko durch Flourchinolone

#282

Beitragvon Schorsch » 14.01.2017, 20:21

Beispielartikel

Im Unterschied zu anderen neuropsychiatrischen Symptomen sind Daten zu FQs und Depressionen mit suizidalen Tendenzen rar, zumindest wenn man den "offiziellen" Daten glaubt. Wer etwas an der Oberfläche kratzt, wird fündig:

Der Betroffene war wohlgemerkt einer von nur fünf untersuchten gefloxten Patienten. Sehr bedenklich erscheint mir auch der Hinweis auf die Persistenz der Vergiftung in allen Fällen, selbst wenn diese zur "Risikogruppe" zählten (>60 J., gleichzeitige Anwendung von Cortisonpräparaten).


Auch wenn uns also bislang nur wenig Greifbares zum Thema Depression und Suizid zur Verfügung steht, hat es die WHO-Suizidstudie in sich. Hier werden als mögliche Trigger GABA, NMDA, ROS, microRNA und Serotonin genannt. Somit handelt es sich also um eine der ersten größeren Studien, die sich auf eine mögliche Störung des Tryptophanstoffwechsels durch FQs bezieht. Zudem lässt sich aus den Erhebungen ableiten, dass FQ-Patienten, die zusätzlich Antidepressiva oder Neuroleptika einnehmen, ein erhöhtes Suizidrisiko haben. Biochemisch ist das tatsächlich eine hochriskante Kombination, denn sogenannte Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI), insbesondere der Problemkandidat Citalopram, greifen dem Wirkmechanismus entsprechend in den Tryptophanstoffwechsel ein, können 5-HIAA-Level senken und auf diesem Wege leider auch als Depressiva wirken. Wenn wir davon ausgehen, dass FQs durch Störung des Tryptophanstoffwechsels ebenfalls 5-HIAA-Level senken können, hätten wir im worst case eine fatale Potenzierung. Hinzu kommt, dass auch einige dieser neuroaktiven Substanzen einen lipophilen F-Substituenten aufweisen, da sie ja die Blut-Hirn-Schranke passieren sollen. Die F-Gehalte entsprechender Antidepressiva sind viel niedriger als bei den FQs, dafür werden erstere über wesentlich längere Zeiträume eingenommen. Andreas Lubitz (Suizid-Pilot der Germanwings-Katastrophe) hatte Citalopram im Blut. Kein unbedeutendes Detail...
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Re: Psychotische Störungen und Suizidrisiko durch Fluorchinolone

#289

Beitragvon Schorsch » 20.01.2017, 20:14

Hallo,

anbei ein weiterer Link der Pharmazeutischen Zeitung zum Thema:

Quelle: http://www.pharmazeutische-zeitung.de/i ... p?id=67050

Chinolone unter Verdacht


Interferone übernehmen im Immunsystem eine Botenfunktionen und können gentechnisch nachgebildet werden. Sie werden eingesetzt gegen Hepatitis, Multiple Sklerose und andere Erkrankungen. Dabei traten in Studien im Vergleich zu Placebo bei den Patienten im Verumarm etwa doppelt so viele Suizid­gedanken auf. Weltweit sind Einzelfälle von Suizid beschrieben.


Die Gyrasehemmer Ofloxacin, Cipro­floxacin und Levofloxacin sind vielfältig eingesetzte Antibiotika bei Harnwegsinfekten, Lungenentzündungen, Meningitis und anderen bakteriellen Erkrankungen. Ihre ZNS-Gängigkeit zeigt sich bereits dadurch, dass Patienten häufig über Albträume während der Behandlung mit Chinolonen berichten. So sind Halluzinationen, Depressionen und Psychosen als Gruppeneffekte vielfach beschrieben. Allein bis 2004 berichten die deutschen Arzneimittelkommissionen über 44 Fälle von suizidalen Gedanken unter der Behandlung mit Gyrasehemmern.

Der 5-α-Reduktasehemmer Fina­sterid, der gegen Haarausfall und Prostata­vergrößerung eingesetzt wird, reduziert die Menge an Dihydrotesto­steron im Organismus. Der Wirkstoff kann im Liquor des zentralen Nervensystems nachgewiesen werden. Depressionen sind als Nebenwirkungen bekannt. Die kanadische Arzneimittelbehörde Health Canada erfasste bis 2015 zwölf Berichte über suizidale Gedanken bei Patienten. Der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA lagen bis 2012 schon 78 Verdachtsfälle vor. Der europäischen Arzneimittel­behörde EMA liegen bis 2016 149 Fälle von suizidalen Gedanken bei Patienten und 43 Fälle von Selbsttötungen vor.



Erhöhtes Risiko unter SSRI


Vareniclin, ein Wirkstoff mit modularer Wirkung am nicotinischen Acetylcholinrezeptor, wird zur Raucherentwöhnung eingesetzt. Es gibt Verdachtsfälle für suizidale Gedanken, aber bisher keine Meldungen im Register des Bundesinstutits für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Bupropion, das die Wiederaufnahme von Dopamin und Noradrenalin hemmt, wird zur Raucherentwöhnung (Zyban®) und als Anti­depressivum (Elontril®) eingesetzt. Im BfArM-Register finden sich bis November 2016 eine Meldung zu Depressionen, sechs zu suizidalen Gedanken und zwei zu Suizidversuchen.


Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) stehen ebenfalls im Verdacht, Suizidgedanken zu fördern. Belastbare Zahlen gibt es für Paroxetin und Venlafaxin. In Studien mit Heranwachsenden wurden unter Paroxetin dreimal mehr Suizide als in der Placebogruppe festgestellt. Bei Venlafaxin gab es in der Verumgruppe zwei Suizidversuche, während im Placeboarm keiner auftrat. /


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