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Visual Snow nach Fluorchinolon-Behandlung

Jens_86
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Visual Snow nach Fluorchinolon-Behandlung

#25975

Beitragvon Jens_86 » 05.01.2021, 12:30

Hallo zusammen,

ich dachte mir ich widme dem Folgenden mal einen eigenen Thread. Es geht - wie auch in meiner Geschichte geschildert - um meine massiven Augenbeschwerden. Ich habe ein bisschen recherchiert und jetzt gesehen, dass meine Beschwerden 1:1 auf das kaum bekannte und auch nicht wirklich therapierbare Visual Snow Syndrom zutreffen.

Wikipedia beschreibt es wie folgt:

"Bei dem Visual Snow Syndrom handelt es sich um eine neurologische Erkrankung, die durch anhaltendes Bildrauschen im gesamten Gesichtsfeld gekennzeichnet ist. Betroffene sehen viele kleine Punkte, die rasant flimmern, ähnlich dem Rauschen eines analogen Fernsehers. Diese Beschreibung wurde namensgebend für das Erkrankungsbild, das über diese umschriebene visuelle Störung hinausgeht. Häufig wird von einer Assoziation zur Migräne berichtet. So wurde ursprünglich angenommen, dass es sich bei dem Visual Snow Syndrom um optische Wahrnehmungsstörungen im Rahmen der Migräneaura handelt. Dies ist nicht der Fall, wie Ergebnisse aktueller Forschung zeigen. Es ist vielmehr von einem eigenständigen Krankheitsbild auszugehen."

Anscheinend hat die International Headache Society (was auch immer das ist) hierfür einen eigenen Diagnoseschlüssel (ICDH-3) mit einigen Abgrenzungen, die allesamt auf mich zutreffen:

A Visual snow: dynamische, kontinuierlich vorhandene kleine Punkte im gesamten binokularen Gesichtsfeld, welche länger als 3 Monate andauern (JA)

B Vorhandensein von mindestens zwei weiteren visuellen Symptomen der folgenden vier Kategorien:

I. Palinopsie (Trugbilder von Objekten, die sich kurz zuvor im Gesichtsfeld befunden haben). Zumindest eines der folgenden: Nachbilder (sich von retinalen Nachbildern unterscheidend) oder „trailing“ (Spuren) bewegter Objekte (JA)

II. Ausgeprägte entoptische Phänomene. Zumindest eines der folgenden: exzessive Floaters in beiden Augen (fliegende Mücken), „self-light“ des Auges (farbige Wolken, Strudel, Wellen), spontane Photopsie (Wahrnehmung von Blitzen, Funken, Sternchen), oder exzessives Blaufeld-Phänomen (Wahrnehmung unzähliger winziger, sich rasch bewegender Punkte bei Blick in helles blaues Licht, wie z. B. den Himmel) (JA)

III. Photophobie (Lichtempfindlichkeit) (JA)

IV. Nyktalopie (beeinträchtigtes Dämmerungssehen) (JA)

Wie man sich denken kann: absolut belastend und ein Verlust an Lebensqualität, auch wenn sonstige Beschwerden eher gering sind.

Hat jemand von euch ähnliche Beschwerden? Ich habe - soweit ich mich erinnern kann - im Buch von Dr. Pieper hierüber auch nichts gefunden. In den Nebenwirkungen der Fluorchinolone heißt es ganz allgemein (und vollkommen verharmlosend) nur "Sehstörungen", Herr Dr. Pieper geht soweit erinnerlich nur auf Glaskörpertrübung/Abhebung ein.

Beste Grüße

Jens



Karlken
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Re: Visual Snow nach Fluorchinolon-Behandlung

#25977

Beitragvon Karlken » 05.01.2021, 14:15

Hallo Jens

Danke dass du ein solches Thema eröffnet hast.
Ein Augenarzt war der Arzt den ich nach meiner Floxung aus eigenem Antrieb aufgesucht habe.
Die Gründe waren seinerzeit
a: die jetzt auch bei normalem Umgebungslicht wahrnehmbaren Floaters (vorher nur am Strand bemerkt ;) )
b: die damals noch präsente Angst vor einer Netzhautablösung

Die Floaters sind mir bis heute erhalten geblieben. Gott sei Dank aber in einer für mich nicht als zu störend empfundenen
Intensität.

Im April 2020 (24 Monate postflox) traten erstmalig diese von Wikipedia beschriebenen Symptome auf.

Betroffene sehen viele kleine Punkte, die rasant flimmern, ähnlich dem Rauschen eines analogen Fernsehers. Diese Beschreibung wurde namensgebend für das Erkrankungsbild, das über diese umschriebene visuelle Störung hinausgeht


So in etwa hatte ich es auch meinem Augenarzt beschrieben.
Dieser überwies mich zu einem Neurologen der allerhand Untersuchungen durchgeführt hat, u.a. auch Überweisung zum MRT.
Alles unauffällig.
Der Neurologe tendierte auch zu Wahrnehmungsstörungen im Rahmen einer Migräne-Aura und verschrieb mir Lamotrigin, ein Antiepileptika! Habe ich natürlich nicht genommen.

Jedoch ist dieses Phänomen bei mir glücklicherweise nicht dauerhaft.
Bei mir tritt es durchschnittlich 2-3x im Monat für ca. 1/2h auf, letztmalig am 30.12.2020.
Die genauen Daten habe ich in meinem Kalender vermerkt.
Manchmal sehe ich auch kurzzeitig das was als Photopsie bezeichnet wird. Ich würde es eher mit "Sternchen assoziieren.
Aber wie gesagt, GsD alles kurzzeitig.
Als Trigger vermute ich das Lesen bzw. Schreiben auf hellen Hintergründen. So wie hier zum Beispiel.

Ich kann deine Sorgen und Ängste bezüglich des Problems sehr gut nachvollziehen.
Bei den ersten Malen mußte ich mich zwingen nicht in Panik zu verfallen.
Das einzig "Positive" was Flox mir beschert hat ist die Tatsache dass ich nun regelmäßig jedes halbe Jahr zur Augenuntersuchung gehe. :angry-cussing:
Ich war da leider entgegen dem Anraten der Augenärzte sehr nachlässig.

Ich wünsche dir dass deine Vermutung "Visual Snow" nicht zutrifft und du
bald von Verbesserungen berichten kannst.

m.f.G.
Karlken
Levofloxacin 30.04. - 03.05.2018 je Tag 1x500mg

Jens_86
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Re: Visual Snow nach Fluorchinolon-Behandlung

#25978

Beitragvon Jens_86 » 05.01.2021, 15:14

Hallo Karlken,

Danke für deine Antwort. Ich vermute bei mir eine Kombination aus zwei durch Cipro ausgelösten Problemen.

Einer Bildung von vermehrten Floatern (Glaskörpertrübung wurde mir ja diagnostiziert) aufgrund gestörter Kollagensynthese.

Eine Beeinträchtigung des Sehnervs, was zu einer fehlerhaften Reizübermittlung führt (ähnlich der anderen Neuropathien, aber der Sehnerv bzw die Rezeptoren können GsD keine Schmerzen übertragen).

Ich muss also hoffen, dass sich das wieder beruhigt. Interessant wäre es mE, die dort ausgewerteten Fälle von Menschen mit diesem Visual Snow Syndrom auf Fluorchinolongaben zu prüfen. Vlt gibt es da eine Korrelation.

Beste Grüße

Jens

Floxi
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Re: Visual Snow nach Fluorchinolon-Behandlung

#26222

Beitragvon Floxi » 02.02.2021, 00:01

Hallo Jens,
ich kenne eine Menge Floxies, die genau diese Symptome beschreiben. Das gleiche gilt auch für mich. Bald 4 Jahre postflox und weiterhin diese schweren Beeinträchtigungen des Sehvermögens. Habe bis heute Sorge vor einer Netzhautablösung. Selbst meine Augenärztin geht von eine Cipro Schaden aus.

Man lernt damit zu leben aber dennoch wirkt es noch immer recht bedrohlich...
Ende April 2017
5 Tage 2x 250mg Ciprofloxacin

September 2014
Ciprofloxacin 250mg ( Dosierung nicht mehr bekannt)


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