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Behandlungsfehler/Klageverfahren/Schadensersatzansprüche

OFC1901
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Behandlungsfehler/Klageverfahren/Schadensersatzansprüche

#27595

Beitragvon OFC1901 » 10.05.2021, 21:58

Hallo liebe Mitfloxies,

Ich konnte hier noch keine guten Informationen zu Klageverfahren, Schadensersatzansprüchen etc. finden.
Ich selbst habe jetzt den Entschluss getroffen meinen Hausarzt und meinen Urologen zu verklagen aber möchte hierzu noch diverse Informationen und Erkenntnisse sammeln.
Hat jemand von euch schon Erfahrungen sammeln können und hilfreiche Tipps parat ?

LG Sven


Levo 12/2010 500mg 7x
Norflox 02/2013 400mg 20x
Levo 02/2014 500mg 5x
Cipro 07/2014 250mg 10x
Levo 02/2017 500mg 7x
Oflox 12/2018 250mg 20x
Ausbruch aller Symptome 10/2019
Kortisontherapie IV 04/2020
Flox bekannt geworden 10/2020

cf12
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Re: Behandlungsfehler/Klageverfahren/Schadensersatzansprüche

#27610

Beitragvon cf12 » 11.05.2021, 21:56

Hallo OFC1901,

im Moment würde ich dringend von einer Klage abraten, denn die Chance für einen Erfolg ist extrem gering und Du solltest Dein Geld in die Therapie investieren. Ärzte sind versichert und Du würdest vor Gericht gegen eine ganze Gruppe von Anwälten bzw. Gutachtern "kämpfen". Selbst mit einer RSV musst Du die Gutachten vorfinanzieren und wenn der Richter auch nur ein gegnerisches Gutachten zulässt, ist der Prozess und alle folgenden Verfahren verloren. :think:

Viele Grüße

cf12

mfgoenk
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Re: Behandlungsfehler/Klageverfahren/Schadensersatzansprüche

#27614

Beitragvon mfgoenk » 12.05.2021, 11:05

Hallo CF12,

deine Infos stimmen so nicht.

Sicherlich muss einem klar sein, das ein solcher Prozess schwierig ist und sich lange hinziehen wird. Er ist auch emotional sehr belastend. Ohne eine Rechtschutzversicherung brauch man ihn meiner Meinung nach auch gar nicht erst anzufangen, da hier doch immense Kosten entstehen können, die sicherlich kein Floxie mehr selbst stemmen kann.

Hat man aber eine solche Rechtschutzversicherung, übernimmt diese natürlich fast sämtliche Kosten. Dazu gehören Anwalts, Gerichts und natürlich auch Gutachter Kosten. Du musst nichts vorfinanzieren. Es können "Kleinigkeiten" wie die Selbstbeteiligung, Reisekosten des Anwaltes oder zum Beispiel Kopierkosten anfallen, wenn die Arztberichte angefordert werden. Das sind aber Summen die zu stemmen sind.

Warum sollte das Verfahren und alles weitere Verloren sein, wenn das Gericht auch nur ein gegnerisches Gutachten zulässt?! Das Gericht wird in einem solchen Prozess seine eigenen Gutachten einholen!

Wenn man sich das ganze körperlich und auch seelisch zutraut und wenn man eine solide Dokumentation hat, was hat man denn zu verlieren? Das schlimmste das einem passieren kann, ist, das man den Prozess dann verliert und dann ist man so weit wie vorher. Wenn man nichts unternimmt, hat man gleich verloren.

LG

Jens_86
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Re: Behandlungsfehler/Klageverfahren/Schadensersatzansprüche

#27616

Beitragvon Jens_86 » 12.05.2021, 11:52

Ich habe hier viewtopic.php?p=22431#p22431 mal ein paar Informationen über Klagen zusammengestellt.

Zu den obigen Ausführungen will ich noch ergänzen, dass ohne Rechtsschutzversicherung (nachträglich abschließen bringt nichts) natürlich ein Kostenrisiko besteht, sodass man vorher mit einem Anwalt, am besten einem Fachanwalt für Medizinrecht, die Erfolfschancen besprechen sollte.

Diese kann man natürlich nicht pauschal beurteilen, doch wenn man Schäden und Pflichtverletzungen gut nachweisen kann, würde ich die Chancen durchaus als realistisch ansehen.
Leben ist was man draus macht.

cf12
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Re: Behandlungsfehler/Klageverfahren/Schadensersatzansprüche

#27620

Beitragvon cf12 » 12.05.2021, 13:47

Hallo Jens,

wieviel Prozent der Klagen waren erfolgreich? Ich kenne persönlich keinen Fall. Der Patient hat die Beweispflicht und die Anwälte der Berufshaftpflicht-Versicherung säen mittels Gutachten so viele Zweifel, bis sie den Prozess gewonnen haben. Im Einzelfall kann auch ein Vergleich für die Versicherung sinnvoll sein. Ein Fachanwalt für Medizinrecht reicht wahrscheinlich nicht aus und ich würde zusätzlich noch einen Fachanwalt für Gutachterrecht für sinnvoll halten, um die gegnerischen Gutachten abwehren zu können. :think:

Viele Grüße

cf12

Jens_86
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Re: Behandlungsfehler/Klageverfahren/Schadensersatzansprüche

#27621

Beitragvon Jens_86 » 12.05.2021, 14:58

Hallo,

Ich kenne da keinen Prozentsatz, und ich denke es gibt wenige Fälle bei denen überhaupt geklagt wird und die Klage mit einem Urteil und nicht mit einem Vergleich endet.

Du hast natürlich Recht dass Verwicherungen der Ärzte einen Anwalt stellen, aber auch der ist an das geltende Recht gebunden. Ein Fachanwalt für Gutachterrecht existiert nicht.

Tatsache ist, dass zugunsten des Patienten eine Beweislastumkehr eingreift, wenn er einen Behandlungsfehler und eine Schädigung nachweisen kann. Je nach dem, wie gut das dokumentiert ist, kann das durchaus gelingen.

Ich werde selbst in naher Zukunft klagen, in meinem Fall habe ich von dem Arzt sogar schriftlich, dass er einen Fehler gemacht hat.

Aber ich sage ja, es ist wichtig vor der Klage ernsthaft zu prüfen ob man den Nachweis führen kann oder nicht. Und genauso wie ich ein Gutachten vorlegen kann kann die Gegenseite ein Gutachten vorlegen, letztlich geht es aber darum dass das Gericht einen neutralen Gutachter bestellt der seine Einschätzung dazu geben kann.

Es kommt auf den Einzelfall an, es kommt darauf an ob man einen guten Anwalt hat, es kommt darauf an dass man alles stichhaltig nachweisen kann.
Leben ist was man draus macht.

Floxi
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Re: Behandlungsfehler/Klageverfahren/Schadensersatzansprüche

#27649

Beitragvon Floxi » 14.05.2021, 13:23

Hallo Sven,

ich bin momentan selber in einem Klageverfahren seit mehreren Jahren mit ein recht eindeutigen Behandlungs- und Aufklärungsfehler nach einer Operation. Diese verpfuschte Operation führte dazu dass ich mehrfach nachoperiert werden musste und ich deswegen auch das Cipro damals bekam.

Trotz der recht eindeutige Beweislage stellte der Gerichtsgutachter ein vernichtendes Gutachten bereit. Auf meine zwei Privatgutachten folgerte er noch weitere Ergänzungsgutachten, die ebenfalls absolut keinen Fehler darlegten.

Das lustige ist, dass dieser Gutachter privat meine Privatgutachten weiter gab und über diese schwärmte. Alle Argumente in meinen Gutachten seien zutreffend. Nur durch viel Glück konnte ich davon erfahren. Nun ist dieser Gutachter raus aus meinem Verfahren, er hat eine Strafanazeige am Hals und ich habe 5 Jahre und viel Geld bisher verloren. Seine Gutachten muss ich dennoch zahlen und kann mir mein Geld nur durch eine weitere Klage zurückholen...

Nach vielen Gesprächen auch mit anderen Gutachtern bin ich zur Erkenntnis gekommen, dass - nicht alle- aber ein großer Teil dieser Gutachter recht befangen sind und pro Kollege schreiben.

Nun habe ich für mein neues Verfahren einen neuen Gutachter. Ob er besser ist als der alte wage ich zu bezweifeln...
Ende April 2017
5 Tage 2x 250mg Ciprofloxacin

September 2014
Ciprofloxacin 250mg ( Dosierung nicht mehr bekannt)

Levoflox26
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Re: Behandlungsfehler/Klageverfahren/Schadensersatzansprüche

#27652

Beitragvon Levoflox26 » 14.05.2021, 13:46

Hi Floxi,

Das lustige ist, dass dieser Gutachter privat meine Privatgutachten weiter gab und über diese schwärmte. Alle Argumente in meinen Gutachten seien zutreffend. Nur durch viel Glück konnte ich davon erfahren.


Das darf doch nicht wahr sein!! :scared-eek: Hoffentlich hast du mit dem neuen Gutachter mehr Glück. Ich wünsche dir viel Erfolg.

Alles Liebe, uschi

Wenn du heute schon aufgibst, wirst du nie wissen ob du es morgen geschafft hättest.

gefloxt 10/2016 = 10 x 500mg Levo und 9/2017 = 5 x 250mg Levo
davor einige Male ohne Symptome Levo und mind. 1x Cipro

Floxi
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Re: Behandlungsfehler/Klageverfahren/Schadensersatzansprüche

#27654

Beitragvon Floxi » 14.05.2021, 16:29

Ja, das ist ein absoluter Skandal. Ich konnte nur davon erfahren, weil mich diejenige Person, die meine Gutachter erhalten hat, kontaktierte und um mehr Infos über meinen Fall zu erhalten. Dabei flog das ganze auf. Einfach nur dämlich...
Ende April 2017
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September 2014
Ciprofloxacin 250mg ( Dosierung nicht mehr bekannt)

Neri
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Re: Behandlungsfehler/Klageverfahren/Schadensersatzansprüche

#27682

Beitragvon Neri » 16.05.2021, 07:58

Guten Morgen
Meine Klage bzw der erste Schritt Klageschrift an den Beklagten ist bereits gelaufen und wie erwartet, hat die Gegenseite versucht alles zu widerlegen. Aber ....

M. E. ist es wichtig dass so viele wie möglich klagen. Je mehr desto mehr Aufmerksamkeit. Hier noch ein guter Tipp.

Ich habe mich, wie mittlerweile einige weitere Betroffene, von der UPD - unabhängigen Patientenberatung Deutschland- beraten lassen. Absolut empfehlenswert. Eine RÄ hat sich über 2h Zeit genommen und ich hatte dadurch eine super Grundlage für die Vorarbeiten.
Gedächtnisprotokoll, suche des richtigen RA usw.

Ohne Rechtschutzversicherung , puh, ob ich mir das getraut hätte, wohl kaum. Gerade deshalb finde ich es wichtig, dass am besten alle klagen die wenn auch nur geringe Chancen auf Erfolg haben. Das bliebe auf Dauer nicht unbemerkt.

Bzgl RA suche: hier ist es wichtig, dass man sich einen RA sucht, der Medizinrecht macht, aber NUR!!! für die Patientenseite. RÄ die auch Ärzte vertreten, sind da wihl eher nicht auf unserer Seite entsprechend bemüht. So der Tipp der UPD.

In diesem Sinne, allen einen netten Sonntag
Ciprofloxacin ARISTO 500 mg - 3 Tage - 2016

Schön, dass es euch gibt :P

MaLa
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Re: Behandlungsfehler/Klageverfahren/Schadensersatzansprüche

#28023

Beitragvon MaLa » 09.06.2021, 18:46

Hi, darf ich mal fragen, wie der Stand der Klage ist? Ich bin seit März 2020 am Klagen und es ist kein Ende abzusehen.
Liebe Grüße und alles Gute für dich


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