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RTL Punkt12 Beitrag - 10.05.21

spacerat
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RTL Punkt12 Beitrag - 10.05.21

#27599

Beitragvon spacerat » 11.05.2021, 10:33

Erst Blasenentzündung, dann jahrelang Schmerzen
Extreme Antibiotika-Nebenwirkungen: Wie krank machen Fluorchinolone?

https://www.rtl.de/cms/fluorchinolone-a ... 57454.html


„Mein Körper hat sich angefühlt wie überfahren“

2013 bekommt Nadine Huber (28) eine Blasenentzündung – eine Krankheit, die wohl die meisten Frauen schon mal erlebt haben. Sie vertraut auf das Antibiotikum, das ihre Ärztin ihr verschreibt. Doch kurze Zeit später beginnt ein Alptraum, der bis heute andauert: Nadine bekommt Schmerzen am ganzen Körper, kann keine zehn Meter mehr gehen, leidet jeden Tag. Wie gefährlich sind die Medikamente aus der Gruppe der Fluorchinolone wirklich? Im Video trifft unser Reporter die junge Mutter und andere Betroffene und versucht herauszufinden, warum diese Antibiotika offenbar noch immer noch so leichtfertig verschrieben werden.
Schwerwiegende Folgen im schlimmsten Fall unumkehrbar

Ein Jahr lang war Nadine damals zu schwach, um ihr Bett zu verlassen. Bis heute leidet sie unter den Folgen von einigen wenigen Tabletten, die sie 2013 einnahm: "Ich gehe jetzt zum Beispiel wieder nur 20 Meter, dann brauche ich einen Rollstuhl. Ich bekomme Ganzkörperschmerzen, ich bekomme gewisse Sachen nicht mehr koordiniert, habe Taubheitsgefühle, Gefühlsstörungen, Schlafstörungen, Doppelbilder…", erklärt die Mutter einer achtjährigen Tochter.

Umstritten sind Fluorchinolone wie Ciprofloxacin oder Norfloxacin schon lange: Wie bei Nadine können sie schwere Nebenwirkungen wie Entzündungen oder Risse der Sehnen, Muskelschmerzen und -schwäche, Gelenkschmerzen und -schwellungen sowie Müdigkeit, Depressionen oder Probleme mit Sinneswahrnehmungen verursachen. In seltenen Fällen kann sogar die Bauchschlagader geschädigt werden. Die Folgen sind langanhaltend und im schlimmsten Fall unumkehrbar.
Leichtsinnige Verordnungen trotz Warnung?

Noch 2018 wurden rund 3,2 Millionen Menschen in Deutschland Fluorchinolone verschrieben. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) warnt erst seit April 2019 in einem Rote-Hand-Brief vor den Risiken: Die Medikamente sollen demnach nicht mehr für leichte oder mittelschwere Infektionen eingesetzt werden und auch nur dann, wenn andere Antibiotika nicht in Frage kommen.

Selbst die Fachgesellschaften, etwa von Urologie und Allgemeinmedizin, würden in ihren Richtlinien inzwischen dringend von der Gabe "solcher Panzerschrank-Antibiotika" bei banalen Infekten wie einer Blasen- oder Nasennebenhöhlenentzündung abraten, so Allgemeinmediziner Dr. Stefan Pieper. Dass das befolgt wird, bezweifelt er allerdings: "Ich glaube tatsächlich, dass weiterhin zu leichtfertig verordnet wird." Auch unser Aufruf auf der Facebookseite von "Punkt 12", auf den sich Hunderte Menschen melden, legt diesen Schluss nahe.
„Jeder geht alleine seinen Weg durch die Hölle“


Viele Betroffene fühlen sich trotz der offiziellen Warnungen jahrelang nicht ernstgenommen und im Stich gelassen, haben einen wahren Ärztemarathon hinter sich. Dass Nadine vollständig von ihren Symptomen geheilt werden kann, ist unwahrscheinlich. "Letztendlich geht jeder alleine seinen Weg durch die Hölle", sagt sie im RTL-Interview. Dennoch tauscht sie sich weiterhin in Selbsthilfegruppen mit anderen aus – denn noch hat sie Hoffnung, dass es irgendwann eine Therapie geben wird, die ihr hilft.

Das BfArM empfiehlt Ärzten, jede Entscheidung für Fluorchinolone "nach einer sorgfältigen Nutzen-Risiko-Bewertung im Einzelfall" zu treffen. Für Patienten ist es wichtig, bei der Verschreibung von Medikamenten auf eine ausführliche Aufklärung über mögliche Nebenwirkungen zu bestehen – und im Zweifelsfall eine zweite Meinung einzuholen.



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