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Ich bin an Depression erkrankt

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BarbH
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Ich bin an Depression erkrankt

#29563

Beitragvon BarbH » 17.12.2021, 17:50

Liebe Fories,

in all der vergangenen Zeit, in der es mir psychisch schlecht, aber auch wieder besser ging, habe ich mich daran geklammert, dass sich meine Psyche wieder vollständig erholen wird. Das wird ja oft von Ciprofloxacin beschrieben, zumal ich vor der Einnahme keinerlei psychische Probleme hatte.

Seit ca. einem halben Jahr hat sich mein seelischer Zustand jedoch immer mehr verschlechtert und inzwischen leide ich nicht mehr unter Stimmungsschwankungen, sondern an Depression mit allem, was dazu gehört.

Für Dinge, die ich normalerweise drei Tage brauchte, oder weniger, brauche ich heute mindestens 3 Wochen. Ich habe mich völlig isoliert und kriege schon Panik, wenn mich jemand besuchen will, was heißt, dass ich Besuche nicht zulasse.
Mir graut jetzt schon vor den Weihnachtstagen, an denen ich meine Familie um mich herum habe, obwohl ich alle von Herzen liebe und dankbar bin, dass ich sie habe.
Ich bin beziehungsunfähig geworden und lasse keine Nähe mehr zu, obwohl ich sie mir so wünsche.
Schlafen kann ich nur noch mit mindestens 5maliger Unterbrechung.
Ich muss mich zu allem zwingen, egal ob es das Aufstehen ist, oder einkaufen zu fahren. Einkaufen gehe ich nur noch, wenn der Kühlschrank fast komplett leer ist, solange zögere ich das raus.
Mit mir kann man nichts mehr anfangen - ich selbst mit mir auch nicht mehr.

Inzwischen bin ich selbst totunglücklich über diesen Zustand. Die Zeiten, in denen es mal ein wenig besser geht, sind so minimal, dass ich sie kaum wahrnehme.

Kann mich vielleicht mal jemand aufbauen, dass dieser Zustand wieder vorbei gehen wird?
Ich bin jetzt 3 1/2 Jahre postflox.

Mit meinem Arzt ist schon abgeklärt, dass ich nächstes Jahr eine Kur machen werde.
Auch wenn ich es immer von mir geschoben habe, erkenne ich inzwischen, dass ich Hilfe brauche.
Allein komme ich scheinbar nicht mehr aus dieser Spirale raus.

Mir schwebt eine TCM-Klinik vor, oder eine Ayurveda-Klinik, da ich von der normalen schulmedizinischen Behandlung nichts mehr halte, schon gar nicht, wenn mir direkt am Telefon gesagt wird, dass man in erster Linie die "medikamentöse Behandlung" in den Vordergrund stellt. Danke, aber süchtig nach AD möchte ich aus meiner Kur nicht zurück kommen.

Ich bin NICHT suizidgefährdet und denke darüber auch überhaupt nicht nach. Ich lebe, trotz allem, immer noch viel zu gern und habe auch die Verantwortung meinen Tieren gegenüber, die ich nie im Stich lassen würde, aber dennoch macht mir dieses Leben, wie es jetzt ist, keine Freude mehr. Es ist ein Aushalten/Durchhalten vom Aufstehen bis zur Nachtruhe.

Im Augenblick helfe ich mir mit Ablenkung, singen (den Tipp bekam ich von einer anderen Betroffenen, der tatsächlich funktioniert), Neurexan-Tabletten und Suggestionen, aber es ist irgendwie zu wenig und die Tiefs kommen doch immer wieder massiv durch.

Kann das nach so einer langen Zeit, nach Cipro, nochmal so ansteigen? Ich habe manchmal das Gefühl dabei, als wäre ich frisch gefloxt.

Meine Psyche ist für jede Aufmunterung dankbar.

Liebe Grüße
Barbara


August 2018 - Einmalige Tagesdosis von 2 Tabletten Cipro á 500mg

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nino
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Re: Ich bin an Depression erkrankt

#29573

Beitragvon nino » 17.12.2021, 22:04

BarbH hat geschrieben:Kann das nach so einer langen Zeit, nach Cipro, nochmal so ansteigen? Ich habe manchmal das Gefühl dabei, als wäre ich frisch gefloxt.


Das muss nach so langer Zeit garnicht unbedingt direkt unmittelbar von Flox selbst kommen. Ich vermute in deinem Fall eher, dass deine Depression psychisch aus der schweren Situation über mehrere Jahre bedingt ist; Flox ist ja kein Zuckerschlecken. Ansonsten können Depressionen einen auch aus heiterem Himmel ereilen - so ist es damals im Grunde genommen mit mir geschehen.

Ich litt damals schon vor Flox an Depression; die zusätzliche unmittelbare, vom bereits bestehenden abgrenzbare, psychische Wirkung von Flox erfuhr ich wenige Stunden nach der Einnahme, und die hielt damals für ein paar Wochen an und legte sich wieder. Das war auch garnicht mit einer "normalen" Depression vergleichbar; eher war es vor allem in den ersten paar Tagen eine richtige akute Krise.

Kann mich vielleicht mal jemand aufbauen, dass dieser Zustand wieder vorbei gehen wird?


Wenn deine Depression überwiegend auf äußeren Flox-bedingten Umständen aufbaut, dann ist es gut möglich, dass sie sich auch zusammen mit diesen wieder bessert. Auch wenn nicht, wird sie sich nach einiger Zeit wieder bessern.

Selbst wenn sich diese Umstände nicht bessern: Es gibt viele Methoden, mit Depression umzugehen, von denen du bereits einige erwähnt hast. Wie "wissenschaftlich" das ganze ist, spielt bei Depressionen (und psychischen Problemen allgemein) auch nur eine untergeordnete Rolle - was hilft, das hilft. Ob das nun Gesang, Meditation, Natur, Spiele, Filme, Musik, Bücher oder was auch immer ist. Wichtig ist nur, dem ganzen nicht mit Alkohol oder anderen schädlichen Verhaltensweisen zu begegnen, aber das dürfte dir ohnehin klar sein.

Auch wichtig ist das Gewissen, dass du nicht allein bist. Depression ist eine Volkskrankheit. Nach offiziellen Angaben sind hierzulande 16-20% der Bevölkerung (!!!) mindestens einmal im Leben betroffen. Das ist jeder fünfte!

Depression ist besser behandelbar, je früher damit angefangen wird. Suche dir einen Psychotherapeuten/eine Psychotherapeutin, mit dem du gut klarkommst; schrecke nicht davor zurück, diesen zu wechseln, wenn du nach ein paar Sitzungen merkst, dass du mit einem nicht gut klarkommst. Wünschen, auf medikamentöse Behandlung zu verzichten, werden die meisten Psychotherapeuten nachgehen. Und noch was: Psychotherapeuten sind nicht wie im Film oder im Fernsehen.

Deine Lage wird sich bezüglich der Depression wieder bessern, ob mit oder ohne Psychotherapie. Davon bin ich überzeugt.
Mitte 20
2x 500mg Ciprofloxacin, jeweils 1 Tablette am 29. und 30.10.2019

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BarbH
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Re: Ich bin an Depression erkrankt

#29577

Beitragvon BarbH » 17.12.2021, 23:44

Danke, Nino, für die aufmunternden Worte.

Vor Flox hatte ich nie irgendwelche psychischen Probleme. Mir ging es bis zur Cipro-Einnahme richtig gut und ich war kerngesund.

Dann hoffe ich mal, dass alles wieder besser wird.

Lieben Dank nochmals und liebe Grüße
Barbara
August 2018 - Einmalige Tagesdosis von 2 Tabletten Cipro á 500mg

Jens_86
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Re: Ich bin an Depression erkrankt

#29584

Beitragvon Jens_86 » 18.12.2021, 13:07

Hallo,

ich halte es auch, wie Nino, für denkbar, dass deine Depression sekundär ist und nicht mehr von Cipro unmittelbar verursacht. Das ist nicht ungewöhnlich bei chronischen Krankheitn: das Leben ändert aich dauerhaft von heute auf morgen, man ist eingeschränkt, hat vlt. Schmerzen etc. Auch ich leide unter einer depressiven Verstimmung deswegen.

Ich halte es aber für möglich, dass man auch hier Strategien findet, damit zu leben und den Zustand zu verbessern.

Alles Gute!

Hopesoon
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Re: Ich bin an Depression erkrankt

#29587

Beitragvon Hopesoon » 18.12.2021, 15:23

Mich hatte es tatsächlich auch mal ziemlich heftig mit Depression erwischt und ich musste eine Zeit lang Antidepressiva nehmen, wogegen ich mich lange gewehrt hatte. Die haben bei mir zwar nicht bewirkt, dass alles beim Alten war, aber sie haben mir geholfen durch den Tag zu kommen. Und mir ging es wie dir, ich war nie wirklich suizidgefährdet, aber ich konnte auch keine Freude am Leben mehr empfinden und das ist echt eine üble Sache. Motiviert hat mich, dass ich für meine Kinder da sein musste. Du hast deine Tiere.

Wenn man Antidepressiva einnimmt heißt das nicht gleich, dass man davon abhängig wird. Man kann die auch wieder absetzen, wenn sich die Situation bessert. Zur Wahrheit gehört natürlich auch, dass durchaus Nebenwirkungen auftreten können. In meinem Fall waren das Störungen der Libido. Fand ich nicht sehr prickelnd. Darüber spricht man natürlich auch nicht gerne. Die haben bei mir noch eine ganze Weile nach Absetzen angedauert, aber heute sind die wieder vollständig zurückgegangen.

Ich bin überzeugt davon, dass die Depression bei mir durch die Einnahme von Migräneprophylaxe-Medikamenten, womöglich in Zusammenhang mit dem FC-geschädigten Organismus, aufgetreten ist. Diese hatte ich wegen der Eyefloaters bekommen...

Vor kurzem habe ich einen Vortrag einer Professorin, die auf dem Gebiet der mitochondrialen Medizin und psychischen Erkrankungen forscht, angesehen. Leider ist der nicht mehr online. Aber was an Quintessenz aus ihren Studien rauskam ist, es ist wissenschaftlich belegbar, dass solche Dinge, die man bei Depressionen immer anrät, wie z.B. Psychotherapie, Bewegung (vor allem an der frischen Luft/Sonne), gute Kontakte, usw. tatsächlich einen nachweisbaren positiven Effekt haben. Es lohnt sich also, diese Anstrengungen zu unternehmen, auch wenn das bei einer Depression wirklich eine riesige Anstrengung bedeutet (ich weiß!).
Und sie konnte darstellen, dass unser Körper durchaus auch in der Lage ist, gewisse gestörte Abläufe zu regenerieren.

Heute bin die Depression los. Es gibt durchaus berechtigte Hoffnung, dass es wieder anders wird!
Juni 2010 Levofloxacin 500 mg 7 Tabletten
Juli 2020 Ciprofloxacin 500 mg 1-0-1 für 5 Tage

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BarbH
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Re: Ich bin an Depression erkrankt

#29592

Beitragvon BarbH » 18.12.2021, 21:28

Hallo Hopesoon,

vielen Dank für Deine Ausführungen. Ja, wenn ich so zurückdenke, könnte es tatsächlich mit einer Medikamenten-Einnahme zusammenhängen, denn ich nehme seit einem halben Jahr Betablocker ein und nach 3 Wochen fiel mir schon auf, dass ich immer trauriger, antriebsloser wurde.
Mit meinem Arzt versuchten wir dann andere Medikamente, doch die vertrug ich erst recht nicht (extreme Schweißausbrüche und Zittern). So wurde wieder auf den ersten Betablocker zurückgegangen, der meine Psyche weiter belastet hat und ebenso auch noch meinen Haarausfall wieder verstärkte.

Zeitweise versuchte ich dann nur noch die Hälfte der Tablette, doch spätestens am 3. Tag fing mein Puls wieder zu rasen an, ich bekam Panik, Bluthochdruck und landete wieder einmal im Krankenhaus (Anfang Juli).
Dort nahm ich die ganze Zeit keinen Betablocker ein, hatte trotzdem einen guten Blutdruck und Puls und meine Psyche war top.
Kaum zu Hause angekommen, wieder Betablocker eingenommen und meine Psyche ging wieder runter.

Ich versuche nun erneut, den Betablocker auszuschleichen und dafür Heilpilze (Auricularia für die Blutverdünnung und Reishi für die Psyche und den Blutdruck) einzusetzen. Ich hoffe, dass ich es auf Dauer vielleicht so schaffe, meinen Blutdruck und Puls im Zaum zu halten und meine Psyche zu stärken. Bis jetzt ist mein Blutdruck und Puls gut.

Da ich vieles immer noch nicht vertrage, bin ich bei den Pilzen immer noch in der Mini-Dosierung, aber lieber ganz langsam, als zu schnell. Bis jetzt klappt alles ganz gut.

Zusätzlich habe ich auch wieder damit angefangen, unter das Solarium zu gehen, um mein Vitamin D anzuregen (es hat UV-B Röhren). Häufig war das früher auch der Fall, dass ich depressiv wurde, weil ich wiedermal im Mangel war. Also versuche ich das jetzt auch nochmal in dieser Richtung.

Ich versuche wirklich alles, was geht, um mich wieder aus diesem Trauertal herauszubekommen und werde, egal ob es da schon vielleicht wieder besser ist, auf jeden Fall auch nächstes Jahr eine Erholungskur machen, denn ich denke, dass mir mal ein längerer Tapetenwechsel gut tun wird.

Zur Bewegung zwinge ich mich auch schon :)

Liebe Grüße
Barbara
August 2018 - Einmalige Tagesdosis von 2 Tabletten Cipro á 500mg

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Re: Ich bin an Depression erkrankt

#29595

Beitragvon NiewiederCipro » 19.12.2021, 08:10

Liebe Barbara,

auch mir tut es sehr leid, wie es Dir momentan geht. Da meine Mutter bereits Depressionen hatte, als ich auf die Welt gekommen bin und in all den Jahren immer wieder damit zu kämpfen hat, kann ich sehr gut nachvollziehen, was Du gerade durchmachst :(

Ich habe mal gelesen, dass Depressionen auch von alleine (also wenn man nichts dagegen tun würde) nach ein paar Monaten ausheilen.

Ich denke, es gibt immer Hoffnung.

Dass das jetzt evtl. von Cipro kommt, kann ich mir persönlich nicht vorstellen. Ich denke, die Einnahme ist zu lange her und - wie bereits beschrieben wurde- man kann auch "einfach so" eine Depression bekommen.

Natürlich muss man da auch mal gerade nach draußen schauen: Pandemie, Spaltung der Gesellschaft, (jetzt) dunkle Jahreszeit, Ängste, Zukunfsangst uvm.

Vielleicht spielt das auch noch eine Rolle dabei?!
Wundern würde es mich nicht.

Ich wünsche Dir, dass Du da schnell wieder rausfindest aus dieser inneren Dunkelheit und wieder so wirst, wie Du einmal warst bzw. wie Du möchtest.

Du schaffst das ganz bestimmt!!! :) :romance-caress:

Und hier haben wir immer ein offenes Ohr für Dich.

Liebe Grüße von Pia
Ciprofloxacin 7 Tage im März 2018,
danach noch 3 Tage intravenös erhalten :confusion-shrug:


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