AOK-Institut kritisiert Verordnungsraten von Fluorchinolonen - 05.05.2017

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Schorsch
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AOK-Institut kritisiert Verordnungsraten von Fluorchinolonen - 05.05.2017

#3471

Beitragvon Schorsch » 23.01.2018, 19:10

Quelle: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/ ... chinolonen

AOK-Institut kritisiert Verordnungsraten von Fluorchinolonen - 05.05.2017

Berlin – Antibiotika aus der Gruppe der Fluorchinolone wurden im Jahr 2015 in Deutsch­land bezogen auf alle Antibiotikaverordnungen mit knapp 5,9 Millionen verordneten Arz­neimittelpackungen am vierthäufigsten verordnet. Das berichtet das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO). „Angesichts der möglichen schwerwiegenden und langandau­ern­den Nebenwirkungen wie Sehnenrissen, psychischen Störungen wie Depressionen und Angstzuständen, sollten diese Reserveantibiotika nur nach gründlicher Nutzen-Ri­siko-Abwägung durch den Arzt eingesetzt werden“, mahnte der stellvertretende WIdO-Ge­schäftsführer Helmut Schröder.

Nach einer Hochrechnung des WIdO auf der Grundlage der AOK-Versicher­ten haben 2015 mehr als vier Millionen GKV-Versicherte und damit sechs Prozent der mehr als 70 Millionen GKV-Versicherten diese Antibiotika erhalten. Führend bei diesen Wirkstoffen ist Ciprofloxacin mit fast 63 Prozent der Verordnungen. Fluorchinolone sind hochwirksame synthetische Antibiotika, die ein breites Wirkspektrum besitzen und insbesondere bei schwerwiegenden bakteriellen Infektionen zum Einsatz kommen. Sie stehen im Verdacht, kollagenreiche Strukturen schädigen zu können. Dies ist seit Langem bekannt und wird entsprechend in den Produktinformationen aufgeführt.


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Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat im Februar diesen Jahres ein euro­päi­sches Risikobewertungsverfahren für Antibiotika aus der Gruppe der Fluorchinolone und Chinolone angestoßen. Es soll bei der Bewertung schwerwiegender Nebenwirkungen und Umsetzung eventueller Indikationseinschränkungen helfen. „Ins­ge­­samt befinden sich derzeit nur fünf weitere unterschiedliche Arzneimittel beziehungs­weise Arzneimittelgruppen in einem derartigen Überprüfungsverfahren durch die EMA – bei den rund 2.500 im Einsatz befindlichen Wirkstoffen und Wirkstoffkombinationen eine ver­gleichs­weise geringe Zahl“, informiert das WIdO.



Das Ausmaß der Verordnungen lasse aber darauf schließen, dass Fluorchinolone nicht ausschließlich bei schwerwiegenden und lebensbedrohlichen Erkrankungen zum Einsatz kämen. „Dabei wäre es vor dem Hintergrund einer fortschreitenden Resistenzentwick­lung sinnvoller, die Fluorchinolone als Reservesubstanzen zurückhaltend einzusetzen. Bei vie­len Indikationen sollte den älteren und langjährig erprobten, aber dennoch gut wirksa­men Substanzen der Vorzug gegeben werden“, hieß es aus dem Institut. © hil/aerzteblatt.de



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