Uridin

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Krabiwi
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Uridin

#6505

Beitragvon Krabiwi » 30.07.2018, 20:12

Immer wieder wird Uridinmonophosphat bzw. Keltican Forte, welches Uridin enthält, vorgeschlagen, da es offensichtlich einigen insbesondere bei Neuropathien hilft.

Aber was steckt wissenschaftlich und biochemisch exakt hinter der Wirkungsweise? Offensichtlich mitochondriale Therapie, es hebt den Spiegel an mDNA und verhindert somit dessen Depletion.

Aufschluss gibt der folgende Artikel:

"Uridin

Wenn die NRTIs nicht abgesetzt bzw. modifiziert werden können, besteht die einzige derzeit verfügbare Therapie der mitochondrialen Toxizität in der Gabe von Uridin oder seinen Vorläufersubstanzen. Wie oben erläutert, bewirkt die Hemmung der Atmungskette durch NRTIs auch eine Hemmung der Dihydroorotsäuredehydrogenase (DHODH) (Abbildung 2). Aus der Dysfunktion der DHODH resultiert eine Verminderung der durch dieses Enzym katalysierten Uridinsynthese und damit auch der aus Uridin synthetisierten Pyrimidine. Der verminderte intrazelluläre Pyrimidinpool verstärkt nun die relative Konzentration der mit ihm an der Gamma-Polymerase kompetitierenden und für die Toxizität verantwortlichen Pyrimidinnukleosidanaloga. Ein Circulus vitiosus schließt sich und verstärkt so die Entstehung der mtDNA-Depletion. Durch Gabe von Uridin kann dieser Circulus vitiosus durchbrochen und die Spiegel mitochondrialer DNA angehoben werden (Setzer 2008). In Hepatozyten normalisierte Uridin die Zellfunktion selbst bei fortgesetzter Behandlung mit NRTI-Pyrimidinanaloga (Walker 2003). Uridin führt auch in D4T-exponierten Adipozyten zu einer Normalisierung der Fettspeicherung und der Mitochondrienfunktion (Walker 2006b). Uridin wird selbst in hoher oraler und intravenöser Dosierung gut vertragen (van Groeningen 1986, Kelsen 1997).

9-abb-2.png


Abbildung 2: Wirkmechanismus von Mitocnol (NucleomaxX®) bei mitochondrialer Toxizität.
Mit Mitocnol steht ein Nahrungsergänzungsmittel zur Verfügung, das gegenüber reinem Uridin eine ca. 8-fach bessere Uridin-Bioverfügbarkeit hat (Venhoff 2005, Weinberg 2011). Eine randomisierte, plazebokontrollierte Doppelblindstudie wies nach, dass Mitocnol die Lipoatrophie unter fortgesetzter Therapie mit D4T und AZT effektiv bessert (Sutinen 2007). Im Vergleich zu Switchstrategien (also dem Ersetzen von D4T und AZT durch andere Virostatika) war der Effekt von Mitocnol auf die Lipoatrophie rascher und deutlich stärker. In einer zweiten Studie erwies sich Mitocnol in Bezug auf die vom Patienten und die vom Arzt eingeschätzten Lipoatrophie-Scores ebenfalls als wirksam (McComsey 2008). In der prospektiven, randomisierten, placebo-kontrollierten Multicenter Studie ACTG 5229 wurde die Effektivität von Uridin bzgl. Verbesserung einer manifesten Lipoatrophie bei HIV-infizierten Patienten unter ART mit Thymidinanaloga untersucht. Während sich zu Woche 24 noch eine signifikante Zunahme des subkutanen Fettgewebes im Uridin-Arm verglichen mit dem Placebo-Arm zeigte, konnte in Woche 48 kein signifikanter Unterschied mehr zwischen den beiden Studienarmen festgestellt werden (McComsey 2010). Die Hoffnungen, die lange in die Anwendung von Uridin bei der Behandlung der tNRTI-assoziierten Lipoatrophie gesetzt wurden, haben durch diese Studienresultate einen deutlichen Dämpfer bekommen.

Die mitochondriale Steatohepatitis wird jedoch durch Mitocnol sowohl im Tiermodell als auch beim HIV-Patienten antagonisiert (Walker 2004b, Banasch 2006, Lebrecht 2007). Tierversuche sprechen auch für günstige Effekte von Uridin bei der AZT-induzierten Hämatotoxizität (Sommadossi 1988). Bei der AZT-Myopathie verhinderte Mitocnol eine mtDNA-Depletion und die hiermit assoziierte Muskelatrophie und Steatose (Lebrecht 2008). Auch die NRTI-induzierte Kardiomyopathie konnte erfolgreich antagonisiert werden (Balcarek 2010). Letztlich wird auch die mitochondriale Neurotoxizität wie z.B. die Polyneuropathie im Tiermodel durch Mitocnol erfolgreich antagonisiert (Venhoff 2010)."


https://hivbuch.de/2011/11/21/mitochondriale-toxizitat/




Ein weiterer Fachartikel:

"Abstract
Human mitochondrial DNA (mtDNA) encodes 13 subunits of oxidative phosphorylation (OXPHOS) enzyme complexes I, III, IV, and V except complex II. MtDNA is more sensitive to oxidative damage than nuclear DNA. MtDNA defects are involved in many pathologies including aging. Several mtDNA-deficient cell culture, yeast, and animal models were generated to study the role of mtDNA in many physiological processes. Ethidium bromide (EB), an agent that is known to inhibit mtDNA replication with a negligible effect on nuclear DNA, is generally used to generate mtDNA-deficient models. The antibiotics chloramphenicol and doxycycline, which were known to inhibit mitochondrial translation, were also used to generate the same phenotype. Cultured mtDNA-deficient cells need uridine and pyruvate to survive. At the organismal level, uridine can be supplemented, but pyruvate supplementation can cause a worser phenotype because of lactic acidosis. In C. elegans, EB, when used during larval development, increases life span, but decreases, when used after the beginning of adult stage. This should be kept in mind since mitochondria-related genes are generally detected in genome-wide screening studies for longevity. We believe that conditional knockout studies need to be carried out for these genes after reaching adulthood. MtDNA mutator mouse did not show an increase of free radical production. Therefore, the downstream phenomena to mtDNA defects are likely ineffective pyrimidine synthesis (dihydroorotate dehydrogenase, DHODH, needs a functional respiratory chain) and excess NADH (decreased NAD pool) in addition to free radicals."

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17460185


Übersicht: viewtopic.php?f=35&t=749

Ansätze basieren auf Dr. Michalak et al, Selbsttherapie erfolgt in Eigenverantwortung, Verträglichkeiten variieren individuell, eine völlige Genesung ist nicht garantiert.

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