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SWR Marktcheck 14.01.2020

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Schorsch
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SWR Marktcheck 14.01.2020

#18319

Beitragvon Schorsch » 14.01.2020, 22:45

Link zur Sendung:

https://www.swrfernsehen.de/marktcheck/ ... a-100.html


Hochwirksame aber nicht ungefährliche Antibiotika
Schwere Nebenwirkungen durch Fluorchinolone


von Dorothée Panse


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Antibiotika aus der Gruppe Fluorchinolone enden auf „floxacin“ und können schwere Nebenwirkungen auslösen. Bei vielen Erkrankungen sind sie unnötig, es gibt wirksame Alternativen.




Vorsicht bei Antibiotika mit Fluorchinolonen

Dauer:6:37 min| Quelle:SWR 2020



Antibiotika aus der Wirkstoffgruppe der Fluorchinolone sind hochwirksame Medikamente, die Schwerstkranken das Leben retten können. Doch sie werden schon länger mit schweren Nebenwirkungen in Verbindung gebracht, die bereits nach der Einnahme weniger Tabletten auftreten können.

Zu den möglichen Nebenwirkungen zählen:

•Kribbeln im Gesicht und in den Händen
•Taubheitserscheinungen
•Schmerzen und Risse im Bereich der Sehnen
•Muskelschmerzen
•Angstzustände und Panikattacken
•Leberschäden

Die Nebenwirkungen können nach dem Absetzen des Medikaments monatelang oder sogar auf Dauer bleiben und sie können auch erst viel später auftreten.
Neue Studien lassen zudem vermuten, dass Betroffene nach der Einnahme von Fluorchinolonen ein erhöhtes Risiko haben, ein Aortenaneurysma zu erleiden.

Zugelassene Wirkstoffe aus der Gruppe der Fluorchinolone sind in Deutschland:

•Ciprofloxacin
•Levofloxacin
•Moxifloxacin
•Norfloxacin
•Ofloxacin

In der Datenbank über gemeldete Verdachtsfälle von Arzneimittelnebenwirkungen der European Medicines Agency (EMA) sind für diese Antibiotika-Gruppe zehntausende Fälle aufgelistet.

Patienten in der USA werden deutlich gewarnt

Schon seit der Markteinführung in den 80er Jahren stehen die Fluorchinolone wegen der zahlreichen möglichen Nebenwirkungen in der Kritik.


Warnung vor Fluorchinolone in einem amerikanischen Medikamentenbeipackzettel (Foto: SWR)

In der USA werden die Patienten deutlich gewarnt


Bereits 2008 hat die Arzneimittelbehörde FDA in den USA eine Black-Box-Warnung eingeführt. Der auffällige schwarze Kasten auf dem Beipackzettel macht plakativ auf mögliche bleibende Sehnenschäden aufmerksam. 2016 verhängt die amerikanische Arzneimittelagentur die höchste Sicherheitswarnstufe für Fluorchinolone wegen bleibender Nervenschäden. Sofern andere Antibiotika für die Therapie zur Verfügung stehen, rät die Behörde Ärzten, Fluorchinolone nicht mehr zu verordnen. Beim Auftreten von Nebenwirkungen solle ein Fluorchinolon zudem sofort abgesetzt und auf ein anderes Antibiotikum umgestellt werden.

Keine deutlichen Warnhinweise für Patienten

Doch trotz allem gibt es in Deutschland bisher keine auffällige Warnung im Beipackzettel. Die möglichen unumkehrbaren Schäden durch Fluorchinolone verstecken sich im Kleingedruckten. Warum das so ist, erklärt das Bundesministerium für Gesundheit so:



„Das Herausgreifen einzelner Aspekte aus der Fach- bzw. Gebrauchsinformation - etwa durch Black Box Warnhinweise in den Produktinformationen - birgt immer auch das Risiko, dass andere, ebenfalls wichtige Informationen dahinter zurückstehen und nicht mehr im notwendigen Umfang wahrgenommen werden. Die Anforderungen an die Gebrauchs- und Fachinformation von Arzneimitteln sind zudem EU-weit harmonisiert.“

Bundesministerium für Gesundheit

Statt einer Black Box-Warnung für Patienten gibt es einen sogenannten Rote-Hand-Brief des Bundesinstituts für Arzneimittelsicherheit und Medizinprodukte (BfArM). Der richtet sich an Ärzte und Krankenhäuser und weist darauf hin, Antibiotika aus der Gruppe der Fluorchinolone nur nach einer sorgfältigen Nutzen-Risiko-Bewertung im Einzelfall - unter Beachtung aller Risiken und Anwendungsbeschränkungen – zu verschreiben.


Rote-Hand-Brief zu Fluorchinolone (Foto: SWR)

In Deutschland werden nur die Ärzte und Krankenhäuser deutlich gewarnt.
SWR
Verordnung auch bei nicht lebensgefährlichen Atemwegserkrankungen oder Harnwegsinfekten

2017 stößt das BfArM eine EU-weite Risiko-Bewertung an. Alle Berichte schwerer Nebenwirkungen werden geprüft. Doch am Ende bleibt es bei der doch eher stumpfen Waffe Rote-Hand-Brief. Die Fluorchinolone sollen laut Rote-Hand-Brief bei leichten und mittelschweren Infektionen wie akuter Bronchitis, Rachen- und Mandelentzündungen nur dann verschrieben werden sollen, wenn nichts anderes möglich ist.

Doch die Verordnungszahlen gehen nicht zurück. Fluorchinolone gehören seit Jahren zu den vier meistverschriebenen Antibiotika und sie werden weiterhin insbesondere von niedergelassenen Ärzten millionenfach auch bei relativ harmlosen Atemwegserkrankungen oder bei nicht lebensgefährlichen Harnwegsinfekten verschrieben.

Zusammenhang wird oft nicht erkannt

Viele Ärzte bringen die auftretenden Nebenwirkungen - also die Schmerzen oder psychischen Störungen - nicht in Zusammenhang mit einer Antibiotika-Therapie. Das Problem: Der Verschreiber des Antibiotikums ist nicht zwingend auch derjenige, der aufgesucht wird, wenn die Beschwerden auftreten. Zudem treten die Nebenwirkungen mitunter erst Tage, Wochen oder Monate nach der Einnahme auf.

Über zwei Jahrzehnte hat der emeritierte Pharmakologe Ralf Stahlmann an der Berliner Charité die Nebenwirkungen von Fluorchinolonen auf Knorpel, Muskeln und Sehnen erforscht und er geht deswegen auch von einer hohen Dunkelziffer bei den Nebenwirkungen aus.



„Obwohl diese Medikamente seit etwa 30 Jahren häufig gebraucht werden, sind die Nebenwirkungen auf Sehnen, Knorpel, Muskulatur und Nerven manchen Ärzten nicht bekannt. Und ein Grund dafür ist sicherlich, dass zwischen der Einnahme des Medikaments und dem Auftreten der Beschwerden Wochen und Monate vergehen können. Aus diesem Grunde ist dann oft der Kausalzusammenhang – liegt es wirklich an dem Medikament oder hat es andere Ursachen – ungeklärt und so darf man vermuten, dass es auch eine relativ hohe Dunkelziffer von solchen Nebenwirkungen gibt, die unerkannt bleiben.“

Prof. Dr. Ralf Stahlmann, Pharmakologe, Charité Berlin


40.000 Mal schwere Nebenwirkungen und 140 Todesfälle

In einem Report des Wissenschaftlichen Institutes der AOK (WIdO) vom Mai 2019 wurden erstmals Zahlen für Deutschland errechnet. Fluorchinolon-Antibiotika wurden demnach 2018 von etwa 3,3 Mio. Patienten genommen. Bei etwa 40.000 kam es zu schweren Nebenwirkungen – so die Schätzung. Und laut der Studie sind 140 Patienten an den Nebenwirkungen verstorben.

Der an der Studie beteiligte Sozialforscher Helmut Schröder vom WIdO befürchtet, dass die Hinweise mittels Rote-Hand-Brief nicht ausreichen und Ärzte Fluorchinolone auch künftig für Bagatellinfektionen verschreiben. Seiner Meinung nach wird eine klare und sichere Anwendungsbeschränkung viel zu lange herausgezögert und damit die Gesundheit vieler Menschen aufs Spiel gesetzt.
Fragen Sie Ihren Arzt nach Alternativen

Solange das so ist und nicht beispielsweise eine diagnoseabhängige Verordnungssoftware mit deutlichen Warnhinweisen für Abhilfe sorgt, liegt es in der Verantwortung der Patienten selbst, eine Antibiotika-Verordnung mit der Wirkstoffgruppe Fluorchinolone kritisch zu hinterfragen und mit dem Arzt über Alternativen zu sprechen.

Medikamentenpass schützt vor Wechselwirkungen

Wer zusätzlich noch einen Medikamentenpass führt, behält den Überblick darüber, wann er welches Medikament bei welcher Erkrankung eingenommen hat, und welche Nebenwirkungen aufgetreten sind.

Fluorchinolone vertragen sich beispielsweise nicht gut mit entzündungshemmenden Kortikosteroiden wie Hydrocortison oder Prednisolon: Legt man seinen Medikamentenpass beim Arzt oder in der Apotheke vor, können solche Gefahren erkannt und vermieden werden.

Mehr zum Thema im WWW
•FAQ zu Fluorchinolone des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM)
•Antibiotika: Achtung, Nebenwirkungen! - Infos der Verbraucherzentrale
•Antibiotika richtig einnehmen: Missbrauch stoppen! - Infos der Verbraucherzentrale
• 7 Mythen über Antibiotika - Infos der Stiftung Warentest

aus der Sendung vomDi, 14.1.2020 20:15 Uhr, MARKTCHECK, SWR Fernsehen


Levofloxacin zwei Tage je 500 mg Kapsel im Juli 2015

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Re: SWR Marktcheck 14.01.2020

#18409

Beitragvon S.Heuer » 18.01.2020, 17:30

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