Floxbedingte „psychische“ Symptome und Benzodiazepine Entzug

Floxi
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Floxbedingte „psychische“ Symptome und Benzodiazepine Entzug

#6396

Beitragvon Floxi » 23.07.2018, 20:28

Bei Floxiehope gibt es eine Userin (Ruth Young), die sich intensiv mit der GABA Auswirkung postflox beschäftigt hat. Bei ihr waren hauptsächlich neuropsychiatrische Symptome vorhanden, die ca 2 Jahre anhielten. Heute 4,5 Jahre postflox hat sie nur noch sehr leichte, kaum zu ahnende Schübe (Blutdruckerhöhung).
Interessant ist, dass im Kleinhirn zahlreiche GABA Rezeptoren vorhanden sind, die bei Störungen auch zu Gleichgewichtsstörungen und Ataxie führen. Eines meiner ersten Symptome, das sich nun 15 Monate postflox noch relativ hartnäckig hält ist der einseitige Fallschwindel.

https://benzo.org.uk/german/bzcha03.htm

Auf folgender Seite kann man die Symptomatik und die nichtmedimamentöse Therapie beim Benzo Entzug durchlesen. FQ schädigt aktiv die GABA Rezeptoren im gesamten Körper (wahrscheinlich spielt da langfristig auch die Mitochondriopathie eine große Rolle), bei Benzodiazepinen werden die GABA Rezeptoren im Laufe der Zeit nicht mehr sensibel für GABA, ggf kommt es sogar zum Abbau dieser Rezeptoren. Die Symptomatik ist jedoch das gleiche: der Körper hat wenig dämpfende Mechanismen, sodass es zu zahlreichen Symptomen der Psyche kommen kann.
Interessant ist, dass die Symptome beim Benzo Entzug als rein körperlich (hier biochemisch) betrachtet werden, da man den Mechanismus erkannt hat. Bei Flox wird alles auf die „Psyche“ geschoben.

Ruth hat es gut zusammengefasst: sie hat einen Benzo Entzug mirgemacht ohne je ein Benzodiazepin angefasst zu haben. Ihre neuropsychiatrischen Symptome gleichen sich fast 1:1 mit meinen Symptomen.
Auch Ciprohilfe erwähnt, dass bei ihm hauptsächlich das GABA System betroffen war. Bei ihm standen die psychischen Symptome im Vordergrund.

Es wäre nur interessant herauszufinden weswegen es bei einigen zu so großen schäden am GABA System kommt, während andere eher muskuloskeletale Schäden oder Schäden Bindegewebe davontragen.



Floxi
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Re: Floxbedingte „psychische“ Symptome und Benzodiazepine Entzug

#6402

Beitragvon Floxi » 23.07.2018, 21:32

Interessant in dem Artikel ist auch die Persistenz einiger Symptome nach Benzo Entzug.

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Krabiwi
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Re: Floxbedingte „psychische“ Symptome und Benzodiazepine Entzug

#6403

Beitragvon Krabiwi » 23.07.2018, 21:42

Floxi hat geschrieben:Es wäre nur interessant herauszufinden weswegen es bei einigen zu so großen schäden am GABA System kommt, während andere eher muskuloskeletale Schäden oder Schäden Bindegewebe davontragen.


Wahrscheinlich eine Kombination aus folgenden Faktoren:

1. lokale mitochondriopathische und oxidative Vorbelastung
2. Verteilung der intrazellulären Mineralreserven
3. genetische Disposition, u.a. Geschlecht
Übersicht: viewtopic.php?f=35&t=749

Ansätze basieren auf Dr. Michalak et al, Selbsttherapie erfolgt in Eigenverantwortung, Verträglichkeiten variieren individuell, eine völlige Genesung ist nicht garantiert.

Idgie
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Re: Floxbedingte „psychische“ Symptome und Benzodiazepine Entzug

#6405

Beitragvon Idgie » 24.07.2018, 08:34

Hallo Floxi,

Floxi hat geschrieben:
Es wäre nur interessant herauszufinden weswegen es bei einigen zu so großen schäden am GABA System kommt, während andere eher muskuloskeletale Schäden oder Schäden Bindegewebe davontragen.


Bei mir ist das so. Ich habe nur sehr wenig Gelenk- und Sehnenprobleme, eigentlich nicht mehr wir vor dem aktuellen Flox (was davon von evtl. Flox 1983 kam, kann ich nicht sagen), aber immer noch viele psychische Probleme. Auch das verläuft in Wellen mit Tagesschwankungen und wird sehr langsam besser.

Was versteht man unter "neuropsychiatrische Symptome" in dem Zusammenhang? Kannst Du die Sache mit den Gaba-Rezeptoren ein wenig zusammenfassen in allgemeinverständlicher Sprache?

Irgendwie verstehe ich bei vielen Beiträgen immer nur die Hälfte, bin da nicht so geschult was wissenschaftliche Abhandlungen betrifft.

Vielen Dank!

Idgie

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Re: Floxbedingte „psychische“ Symptome und Benzodiazepine Entzug

#6410

Beitragvon Floxi » 24.07.2018, 15:34

Hallo Idgie,
die GABA Rezeptoren, hier hauptsächlich die GABA A Rezeptoren im Gehirn, führen zu einer Dämpfung des zentralen Nervensystems. Das heisst Schlaf, Ruhe und Müdigkeit werden durch das GABA System beeinflusst. Der Neurotransmitter GABA hemmt quasi die Übererregung ded Nervensystems. Gegenspieler ist das NMDA System, was die Aktivierung des Zentralen Nervensystems einleitet.

Benzodiazepine docken an den GABA Rezeptoren an und verstärken die Wirkung des hemmenden Systems. Bei Missbrauch und Sucht leitet der Körper Gegenmaßnahmen zu dieser Dauerblockade ein und vermindert die GABA A Rezeptoren im Gehirn. Setzt man das Benzo nun ab, fehlt größtenteils die hemmende GABA Wirkung und das Gehirn ist übererregt. Syptome sind Panikattacken, Halluzinationen, Zwangsgedanken, Depressionen, Angst bis hin zu Krampfanfällen.

FQ können laut Studien ebenfalls an GABA A Rezeptoren andocken, jedoch mit der gegenteiligen Wirkung: dh der GABA Rezeptor wird funktionslos gemacht. Gleichzeitig senkt das FQ die Neurotransmitter GABA und Serotonin im Gehirn, sodass es zu einem akuten Mangel an hemmenden Mechanismen gibt. So kommt es ebenfalls zu den typischen Symptomen wie Panik, Angst, Hallus...
Es gibt die Theorie, dass eine Hemmung des GABAs zu einer langwierigen Aktivierung des NMDA Systems führt. Je nachdem was die FQ tatsächlich mit den GABA Rezeptoren anstellen, ggf sogar stark schädigen, benötigt es teilweise Jahre um die GABA Rezeptordichte wie präflox zu erreichen.
Es gibt noch sehr viele Unklarheiten in welchem Maße und auf welchem Weg die FQ zusätzlich neben der Mitochondriopathie Schaden anrichten.
(Zb eine langwierige Aktivierung des NMDA systems unabhängig von einer Mitochondriopathie).

Tatsache ist, dass FQ massiv in das Neurotransmitter System eingreifen. Bei Floxiehope wird empfohlen, dass man bei neuropsychiatrischen Symptomen viel meditieren soll. Tatsächlich scheint die Meditation die GABA Rezeptordichte zu erhöhen

http://benzoinfo.com/2017/10/12/hidden- ... opulation/

http://m.flexikon.doccheck.com/de/GABA-Rezeptor

https://www.sciencedirect.com/science/a ... 7712000321

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Re: Floxbedingte „psychische“ Symptome und Benzodiazepine Entzug

#6412

Beitragvon Floxi » 24.07.2018, 15:53

Was ich persönlich bei mir festgestellt habe:

Floxbedingte Symptome bessern sich in der Lutealphase mit Progesteronanstieg. Progesteron führt zu einer besseren GABA Aktivierung.

Nach insgesamt 2 Ops postflox unter Vollnarkose (Propofol) war ich vorallem am Op Tag völlig symptomfrei. Selbst der einseitige Fallschwindel, der sich sehr hartnäckig seit beginn an hält, war kurz nach der Narkose verschwunden. Auch der Brainfog und das innere Vibrieren waren völlig weg.
Ich meinte noch scherzweise zu meinem Mann, dass ich am liebsten jeden Tag so eine Narkose benötige. Ich war an beiden Op Tagen völlig klar im Kopf.
Tatsächlich wirkt Propofol ebenfalls an den GABA Rezeptoren.
Für mich ist dies ein Hinweis darauf, dass das GABA System zum Normalzustand regenieren kann.

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Re: Floxbedingte „psychische“ Symptome und Benzodiazepine Entzug

#6413

Beitragvon Maximus » 24.07.2018, 17:36

Hallo Floxi,

wurde das Progesteron bei dir mal im Blut bestimmt, ob das OK ist ?

http://www.laborlexikon.de/Lexikon/Info ... steron.htm

LG
Maximus

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Re: Floxbedingte „psychische“ Symptome und Benzodiazepine Entzug

#6415

Beitragvon Floxi » 24.07.2018, 18:04

Hallo Maximus,
ja es ist soweit in Ordnung. Sowohl Östrogen, Progesteron, Amh, FsH, LH und weitere.
VG

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Re: Floxbedingte „psychische“ Symptome und Benzodiazepine Entzug

#6416

Beitragvon Maximus » 24.07.2018, 18:14

Hallo Floxi,

vielen Dank für die Info. Bei mir ist ja das SHBG und damit das Gesamttestosteron so niedrig, während das freie biologisch aktive
Testosteron im Normbereich liegt, daher wusste ich nicht, ob das vererbt ist oder durch Flox.

Scheint dann wohl vererbt zu sein bei mir.

Nochmals Danke für die Info.

LG
Maximus

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Re: Floxbedingte „psychische“ Symptome und Benzodiazepine Entzug

#6417

Beitragvon Floxi » 24.07.2018, 19:02

Bei Flox ist ja anscheinend alles möglich. Warte mal ab wie sich das SHGB im Laufe der Jahre verhält.
Mein DHEA ist eher im unteren Drittel angesiedelt, jedoch ist dieser Wert auch präflox vorhanden gewesen. Da ich jedoch absolut keine weiteren Auffälligkeiten hatte, werde ich den Spiegel- im Gegensatz zur Empfehlung meines Mito Arztes- nicht anheben lassen.

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Re: Floxbedingte „psychische“ Symptome und Benzodiazepine Entzug

#6418

Beitragvon Maximus » 24.07.2018, 19:30

Hallo Floxi,

ja Flox ist unberechenbar.

Mein DHEA-Sulfat im Serum : 6.0 ( 3,26- 14 µmol/l).

Eine NNR-Insuffizienz ist durch ACTH Test ausgeschlossen.

Ich nehme kein DHEA.

LG
Maximus

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Re: Floxbedingte „psychische“ Symptome und Benzodiazepine Entzug

#6421

Beitragvon Idgie » 24.07.2018, 21:20

Liebe Floxi,

vielen Dank für die Erklärung, ich denke, jetzt habe ich es verstanden. :clap:

LG Idgie

Glühwürmchen
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Re: Floxbedingte „psychische“ Symptome und Benzodiazepine Entzug

#6442

Beitragvon Glühwürmchen » 26.07.2018, 06:12

Beim GABA Rezeptor gibt es das TansportermoleküL KCC2. Wenn das sein Verhalten ändert, werden Signale, die eigentlich ausschalten, angeschaltet.

Es gibt unter uns gefloxten Patienten immer mal wieder einige, bei denen einige Nahrungsmittel oder Medikamente/Heilkräuter, die den GABA Rezeptor normalerweise aktivieren und dadurch beruhigen, das Gegenteil auslösen z.B Ängste, Panikattacken etc..Man nennt das eine paradoxe Reaktion.
Ich vermute, dass der KCC2 Transporter dann anders arbeitet und dadurch Signale wie "aus" plötzlich als "an" wirken. Wenn Euch so etwas passiert und z.B ein Beruhigungstee Ängste, Panik auslöst oder das Nervensystem hochpuscht, dann müsst Ihr den Tee und ähnliche Nahrungsmittel etc. meiden! Seid dann vorsichtig mit Gewürzen, anderen Heilkräutern, und mit Obst und Gemüse. Ich kann dann nur noch, wenn überhaupt grüngelbe Bananen vertragen. Andere konnten in so einer Situation am besten gekochte Birnen essen. Ihr könnt Euch eventuell an Tabellen zur Salicylatunverträglichkeit orientieren:https://www.gesundheit-ganzheitlich.com/gesund-essen/salicylate-liste/


About a work done by scientist Jaideep Bains, PhD, a University of Calgary (Ich habe keinen Autor direkt gefunden)
FAulty brain 'switch' reduces ability to cope with stress
http://www.anxietyinsights.info/faulty_%20...%20stress.htm
"..Normally, neurons receive different chemical signals that tell them to either switch on or switch off. The off signal or brake only works if the levels of chloride ion in the cells are maintained at a low level. This is accomplished by the transporter protein KCC2. What Bains and colleagues have shown is that stress turns down the activity of KCC2, thus removing the ability of the brake, a chemical known as GABA, to work properly. A loss of the brain's ability to slow down may explain some of the harmful, emotional consequences of stress. ..."


Übersetzung
".....Normalerweise erhalten Neuronen unterschiedliche chemische Signale, die ihnen sagen, entweder einschalten oder ausschalten. Das Aus-Signal oder Bremse funktioniert nur, wenn die Konzentration der Chloridionen in den Zellen auf einem niedrigen Niveau gehalten wird. Dies wird durch das Transporterprotein KCC2 erreicht. Was Bains und Kollegen gezeigt haben ist, dass Stress die Aktivität von KCC2 verringert. Dadurch wird die Fähigkeit der Bremse, eine Chemikalie, die als GABA bekannt ist, richtig zu funktionieren, entfernt. Ein Verlust der Fähigkeit des Gehirns sich zu beruhigen könnte einige der schädlichen, emotionalen Folgen von Stress erklären..."

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Re: Floxbedingte „psychische“ Symptome und Benzodiazepine Entzug

#6443

Beitragvon Fanie » 26.07.2018, 07:21

Das ist ja interessant - so erklärt sich, dass ich nach den meisten Parfums, Shampoos, etc. Ohrensausen und Ohrenschmerzen bekommen habe. Bin einmal mehr beruhigt, dass ich nicht "spinne".

Danke für den Hinweis, Glühwürmchen!

Liebe Grüße,
Fanie

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Re: Floxbedingte „psychische“ Symptome und Benzodiazepine Entzug

#6444

Beitragvon Maximus » 26.07.2018, 07:29

Hallo Glühwürmchen,

ich gehöre auch zu denen, die seit Flox paradoxe Reaktionen haben. Bei mir sind es die Benzodiazepine, die eine paradoxe Reaktion mit Blutdruckanstieg auslösen und die ich meiden muss.

LG
Maximus


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